The Source – Creative Space

The Source – Creative Space

The Source
in Denver

Creative Space

Fotografie einer Großstadt mit Skyline im Hintergrund

Bikes vs. eboards

Eingeladen in die Rockies, konnten wir den weiten Weg nicht auf uns nehmen, ohne Denver etwas näher anzusehen. In unserem Appartement gab es netterweise zwei coole Fahrräder, sodass wir uns mit selbigen bei 104° Fahrenheit auf den Weg gemacht haben um die City by Bike zu erkunden. Ziemlich uncool, wie wir schnell merkten. Wer hier hipp und lässig ist, steht auf einem eBoard und rast geräuschlos über die mehr oder weniger guten Gehwege. Die bunten eBoards kann man an jeder Ecke per App mieten.

bemalte Wand mit zwei schwarzen Oldtimer und dem Schriftzug "Bright Future"

CENTER FOR VISUAL ART

Erste Etappe war der nah gelegene Art District on Santa Fe, jetlagbedingt waren wir zu früh und die meisten Künstler und Galeristen haben wohl noch geschlafen. Freudig empfangen mit einer persönlichen Führung wurden wir dann jedoch im Center for Visual Art, das zur Metropolitan State University of Denver gehört. Es stellen dort gerade die Dozenten und Professoren ihre eigenen Werke aus. Spannend, aber nicht spektakulär. Allerdings kann man mit 1 – 3 Werken auch nicht wirklich das Schaffen des Einzelnen erfassen.

bunte Kunstinstallation angeregt vom Klopfen der Spechte

Am meisten hat uns das gemeinsame Werk der beiden Künstler Abell + Stewart „Encouraging the Appearence of Others“ gefallen. Eine Installation. Die beiden waren in den Wäldern von Montana unterwegs, vom über weite Strecken zu hörenden Klopfen der Spechte angeregt, übertragen auf das Anklopfen an einer (Haus)türe mit der Bitte einzutreten, um letzten Endes zu kommunizieren. Verrückt? In jedem Fall ist die Installation ganz schön durchgeknallt und überall klopfen kleine mit Bewegungsmelder und Motor ausgestattete Klöppel, die sie im Wald geschnitzt haben.

Bretterwand in Lagerhalle mit Schriftzug
Hippe Lagerhalle umfunktioniert zu einer Markthalle mit Sitzgelegenheiten

RIVER NORTH ART DISTRICT

Bei der Affenhitze ging es dann weiter auf unseren nun nicht mehr so coolen Bikes Richtung Downtown. Denver breitet sich zwar auf der 1600 Meter hoch gelegenen Ebene sehr weit aus, Downtown ist aber eher überschaubar mit ein paar kleinwüchsigen Hochhäusern. Gleich neben der berühmten und schick renovierten Union Station liegt das MCA, wo wir die Retrospektive „in Hyperspace“ von Clark Richert angesehen haben, dazu mehr in einem eigenen Bericht.

In der prallen Mittagssonne haben wir uns nach einem amerikanischen Erfrischungsgetränk auf den Weg Richtung Rino gemacht. Das kleine Nashorn begegnet einem dort überall und steht für „River North Art District“. Der hipste District in Denver, manche behaupten der ganzen USA.

Was geht hier ab? Im Grunde wurden ein paar alte Lagerhallen umfunktioniert zu Markthallen in denen es diverse „Food“-Angebote, Sitzmöglichkeiten, Shops, Micro-Brauerein, Co-Working-Spaces und natürlich Künstler, Streetart und Galerien gibt. Dort trifft man sich, trink IPA (gesprochen Ai-Pi-Eiii), isst total orgänic (am besten aus einem Foodtruck, der mit einem stinkenden und knatternden Generator angetrieben wird), zeigt seine neuesten Tattoos und kauft völlig überteuerte Sneakers ohne Fußbett oder andere Lifestyle-Accessoires. Toll. Wie im Zirkus.

Rino ist ein Industriegebiet mit Maskottchen, das gepusht wird. Es ist aber auch ziemlich weitläufig und ohne ein Bewegungshilfsmittel kaum zu erkunden. Die Hotspots sind ganz schön weit zwischen Lagerhallen, ehemaligen Fabriken, modernen Wohnanlagen und brach liegenden Grundstücken verteilt, dazu noch durch eine Bahnlinie getrennt. So sind wir bei unserer Erkundungstour in einer ziemlich abgelegenen Ecke zufällig auf „The Source“ gestoßen.

Photographie von liegend gelagerten Weinfässern
Junger hipper Bäcker in seine Arbeit viertieft

WELCOME TO THE SOURCE

Hier wurde aus einer alten Lagerhallen, verbunden mit einem Neubau, ein ziemlich spannender Raum geschaffen, der alles oben beschriebene miteinander verknüpft. Man trifft sich also hier. Kern des Ganzen ist ein Hotel, das sich im Neubau befindet. In letzterem befindet sich eine große Halle mit diversen offenen Shops, Restaurants und Brauerei. Man kann Schallplatten, Taschen, Pflanzen, Klamotten und diversen anderen Plunder kaufen, es riecht überall nach dem „Wood Fired Grill“, es gibt Lounge-Ecken und Süßkram zu kaufen. Fährt man mit dem Fahrstuhl ins 8. Level wird man empfangen von 50 Weinfässern, welche zu Bierfässern umfunktioniert wurden. Aha! Auf dem Dach findet man eine Bar mit Terrasse, Blick über Denver eingerahmt von den Rockies.

Wieder unten geht man über eine Stahlbrücke in die zweite Halle, die alte Fabrikhalle. Auch diese ist moderner cross-over Stilmix. Eine große Bar in der Mitte mit etwas gewöhnungsbedürftigen Cocktails, Restaurants, Wein-Shop, Klamotten, eine Bäckerei. Letztere heißt schlicht „Bakery“. Drinnen sind junge Kerle, die backen und direkt verkaufen. Ihr Ansatz ist „ehrliches“ Handwerk mit guten Zutaten und leckerem Backerzeugnis. Den Unterschied schmeckt und bezahlt man. Hier in „The Source“ liegt nicht nur der Duft der Bäckerei, des Grills und der Brauerei in der Luft, sondern auch inspirierende, knisternde Vibes, neues zu schaffen, Dinge anders anzufassen, etwas zu wagen und zu entwickeln, neues zu kreieren und zu schaffen. Das wird unterstrichen durch die progressive Gestaltung der Räume. Hier treffen verschiedene Stilrichtungen, alt und neu, Streetart auf Backstein, Metall und Beton, viel Glas und Holz aufeinander. Ein Mix der am Ende aber ein großes Ganzes gibt. Abgefahren.

Bildnis zweier Frauen an einer Backsteinfassade

Sharing

Uns hat es so begeistert, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal herkamen — natürlich mit Lyft, noch so ein american Ding — um hier mit Freunden im „Acorn“ zu Essen. Family Style. Man bestellt verschiedene Gerichte, die kommen auf den Tisch und jeder greift überall zu. Sharing. Genau wie der Raum selbst. Und das Essen war genauso überraschend wie The Source. Neu zusammengesetzt und einfach mal anders interpretiert. Super! Ob das ganze auf lange Zeit klappt wird sich zeigen, aber davor haben unsere „amerikanischen Freunde“ ja keine Angst. Klappt es nicht, kommt was Neues!

Für alle Interessierten mehr Infos unter thesourcehotel.com 

Clark Richert – Hyperspace

Clark Richert – Hyperspace

Clark Richert

„Hyperspace“ in Colorado

Geometrische Strukturen in einem Kunstwerk

glücklicher Zufall

Auf unserem hochtemperierten Erkundungstrip durch Denver haben wir zum Abkühlen Stopp gemacht im Museum of Contemporary Art, kurz MCA. Manchmal hat man Glück und so sind wir auf eine überraschend spannende und umfangreiche Ausstellung gestoßen: die erste große Retrospektive des wohl bekanntesten Künstlers Colorados, Clark Richert. Dessen Titel „Hyperspace“ klingt ja vielversprechend. Richerts Werke behandeln die Erschaffung von Raum mit überwiegend geometrischen Formen. Gerenell fokussiert sich die Ausstellung auf Richert als Maler und als feste Institution der künstlerischen Landschaft von Colorado.

Ausstellungsraum mit Screens und einem großen Wandbild mit kuppelförmigen Häuschen

EINE HIPPIE-KOMMUNE ALS KÜNSTLERISCHE INSPIRATION

Bekannt ist Clark Richert vor allem als Mitbegründer der legendären Hippie-Kommune „Drop City“. Diese entstand zwischen 1965 und 1969 in der Nähe von Trinidad, Colorado. Mit dieser grundlegenden Erfahrung in seinem Leben wird die Ausstellung auch eröffnet. Seine Arbeit in der Kommune zeigt seine konzeptionellen Gedankengänge. Diese spiegeln sich in seiner Affinität zu Dimensionalität widers. Das Interesse und die Faszination des Verhältnisses zwischen mehreren Dimensionen wurde vor allem durch R. Buckminster Fuller beeinflusst. Deswegen bauten Richert und die anderen „Droppers“ die „Domes“, ihre Wohn- und Arbeitsräume, nach dessen Design.

Ausstellung mit eingerahmten, bunten Illustrationen an der Wand

Geometrische Kunstwerke

Seine Vorliebe für Dimensionalität wird auch in seinen akkurat gemalten Bildern deutlich, die er als Mitglied der „Criss-Cross“ Community erschuf. Er und andere Mitglieder leiteten die geometrischen Formen und Strukturen in ihren Kunstwerken von gegebenen Mustern aus der Natur, Mathematik, Wissenschaft, Musik und Technologie ab. Demnach kreierten Sie diese nicht neu, sondern illustrierten und interpretierten Vorhandenes in einer neuen Weise. Was zuerst flach wirkt, bekommt bei genauerem Hinsehen eine unglaubliche Tiefe mit sehr dreidimensionaler Wirkung.

Gemälde zweier Fenster und dem leeren Raum dazwischen
Blick in Ausstellungsraum mit geometrischen Bildern

DAS ERSCHAFFEN VON DREIDIMENSIONALITÄT

Die Ausstellung folgt Richerts künstlerischen Entwicklung und zeigt wie vielseitig er gearbeitet hat. In den späten 1980ern und 1990ern macht seine Kunst einen ungewöhnlichen Ausflug in die Welt des Piktorialismus, eine kunstfotografische Stilrichtung, die sich von seinen sonstigen Werken stark unterscheidet. Ein künstlerisches Beispiel aus dieser Zeit ist das Gemälde „Blue Room“, das exemplarisch aufweist, dass dieser Kunststil oft leere, voluminöse Räume darstellt. Es zeigt, wie er eine zweidimensionale Oberfläche nutzt um einen dreidimensionalen Raum zu erschaffen.

Ein Jahrzehnt später beschreibt Richert in einem Essay, dass er die Leinwand als ein Fenster sehe, durch welches eine Welt wahrnehmbar sei. Demnach bedeutet dies für ihn, dass das Gemälde verschiedene Dimensionen beinhaltet und die Leinwand als Rahmen für einen leeren Raum fungiert. Folglich ist Raum und dessen Erschaffen ein zentraler Aspekt Richerts Kunst. Ende der 1980er Jahre begann Richert große, realitätsnahe Gemälde zu erschaffen. Diese Werke zeigen erneut, wie intensiv sich der Künstler mit dem Verhältnis der flachen Oberfläche der Leinwand und dem dimensionalen Raum des Bildes beschäftigt. Er erschafft Tiefe und dadurch erschafft er Raum.

geometrisches Gemälde mit gelben, roten und blauen Vierecken
Bild mit räumlicher Tiefe durch bunte Linien und Punkte

EINE AUSSTELLUNG MIT NACHGANG

„Hyperspace“ hat uns extrem beeindruckt. Es zeigt, wie intensiv Richert sich mit geometrischen Gesetzen, Dimensionalität und Raum auseinander gesetzt hat. Auch wenn sich die Werke, die im MCA ausgestellt wurden, optisch und stilistisch unterscheiden mögen, sie entstanden alle auf der Basis von geometrischen Prinzipien. Beeindruckend realistisch verwandelt der Künstler flache Oberfläche in zwei- oder dreidimensionale Räume. Ein Talent, das der Amerikaner durch viel Forschung perfektioniert und womit er eine neue Darstellung von Dimensionalität erschaffen hat.

Einen etwas anderen Ansatz zu konstruierten räumlichen Dimensionen finden Sie in unserem Blogbeitrag zu Victor Vasarely.

ZKM Negativer Raum

ZKM Negativer Raum

ZKM Karlsruhe

Negativer Raum

Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe mit Nebel und Skulptur

SKULPTUR UND INSTALLATION

„Weg von der klassischen Definition der Skulptur, hin zur Eröffnung neuer Möglichkeiten“. So beschreibt Kurator Peter Weile das Ziel der Ausstellung „Negativer Raum“ im Zentrum für Kunst und Medien, kurz ZKM, in Karlsruhe. Entgegen den Gesetzen von Schwerkraft, Masse und Volumen, sollen die ausgestellten Exponate einen neuen Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur eröffnen und somit die Geschichte der Skulptur neu erzählen. Über 350 Kunstwerke aus aller Welt machen Raum erlebbar und sind gerade für Designer eine Quelle der Inspiration. Negativer Raum ist schwer greifbar. Dennoch wird er in der Ausstellung in Form von Freiräumen, Hohl- und Zwischenräumen, Spiegel-, Licht- und Schattenräumen sowie optischen Täuschungen sichtbar gemacht. Wir haben uns auf den Weg nach Karlsruhe gemacht und uns die interaktive und abwechslungsreiche Ausstellung im ZKM angeschaut.

ALLES IST ERLEBBAR

Raum, wie wir ihn kennen, ist mit unseren Sinnen erfahrbar und charakterisiert sich durch den Bezug des Menschen mit seiner Umgebung. Bis 1900 waren Skulpturen körperzentriert. Dies bedeutet, dass diese zwar dreidimensional im Raum stehen, aber der Raum selbst nicht zum Thema wird. Die Entwicklung der westlichen Skulptur ist also seit der Antike mit der Idee des Körpers und den Kriterien Masse, Volumen und Schwerkraft verbunden. In der Ausstellung „Negative Shapes“ steht das Gegenteil im Fokus: Beeindruckende Installationen, Spiegel, Licht und Schatten erschaffen Formen und ändern den Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur. Auch kleinteilige Elemente wie Fäden oder kleine Metallblättchen wurden von den Künstlern raumbildend genutzt um einen anderen Blick auf Skulptur und Raum zu geben.

große Kugel, geformt aus vielen kleinen goldenen Metallblättchen, Sicht von unten
Leinwand mit dem Schatten zweier Personen und einem Vogelschwarm

DER BESUCHER ALS TEIL DER AUSSTELLUNG

Das Besondere für den Besucher ist die Wahrnehmung des Raumes mit allen Sinnen und das interaktive Erleben der Exponate und Installationen. Wir fanden es besonders faszinierend, wie Licht und Schatten Räume erschaffen können. Genauso beeindruckend war, wie groß die Wirkung von Animationen auf den Raum sein kann.

Im Shadow Play durften wir als Besucher Teil der Ausstellung werden. Dort ist man selbst der Hauptdarsteller und hat sichtbaren Einfluss auf das Kunstwerk. Gefühlt sind wir Teil eines Films und beeinflussen mit unseren Schatten den Ablauf der Animation auf der riesigen Leinwand. Mal fliegt ein Vogelschwarm über uns hinweg, mal fallen „Schattenhäuschen“ vom Himmel, die wir auffangen können und mal öffnen sich mit einer Geste digitale Fenster an der Wand. Der Besucher betritt eine Bühne und spielt mit seinen Bewegungen die Hauptrolle.

 Auch der Infinity Room ist uns als sehr beeindruckend in Erinnerung geblieben. Komplett mit Spiegeln ausgestattet lassen die Reflexionen jegliche Grenzen verschwimmen. Das Gefühl in einer unendlichen Weite zu stehen und fast schon in der Luft zu schweben macht sich breit. Unterstützt wird dieser Effekt durch Lichtinstallationen, die das grenzenlose Gefühl vollkommen machen. Da Licht und Animation zwei sehr wichtige Komponenten im Messedesign sind, lassen wir uns gerne von solchen Ausstellungen inspirieren. Das Erschaffen von Räumen ist unsere tägliche Aufgabe und spannende Effekte durch Videoinstallationen und Licht setzen auch beim Messebau besondere Akzente.

Zwei Frauen in einem komplett verspiegelten Raum, Sicht von oben
Ein schwarzer Raum, nur von einem Lichtkegel durchbrochen, der den Schatten einer Person sichtbar werden lässt

©Krishna Reddy (@oyekalakaar)

MIT LICHT UND SCHATTEN RAUM ERSCHAFFEN

Wenn man der Ausstellung weiter folgt, gelangt man zum Shadow Room. In diesem stockfinsteren Zimmer wird die räumliche Bedeutung von Licht und Dunkelheit deutlich spürbar. Durch eine Schleuse gelangt man in den völlig schwarzen Raum, ausgestattet mit nur einem einzelnen Scheinwerfer an der gegenüberliegenden Wand. Der Strahl durchbricht die Dunkelheit und zieht sich durch das gesamte Zimmer. Wenn man diesen versucht zu berühren oder durchschreitet, spürt man das Licht regelrecht auf der Haut. Der beleuchtete Bereich grenzt sich von seiner schwarzen Umgebung ab und erschafft so separaten Raum.

 

Danke an Krishna Reddy für die fantastischen Photos im Shadow Room.
Many thanks to Krishna Reddy for creating this extraordinary picture in the shadow room.

Kunst im Kulturspeicher

Kunst im Kulturspeicher

Das Museum im Kulturspeicher Würzburg

Konkret im Speicher

alter Getreidespeicher mit Ziegelfassade

Neobarocker Getreidespeicher

128 Meter lang erstreckt sich das Gebäude mit drei neobarocken Giebeln: Das Museum im Kulturspeicher Würzburg verläuft parallel zum Main und ist allein durch seine Architektur ein Hingucker. Herz des ehemaligen Getreidespeichers ist die „Sammlung Peter C. Ruppert“. Mit Werken von über 200 Künstlern aus 23 Nationen wird die Entwicklung der Konkreten Kunst in Europa dokumentiert. Die Spezialisierung auf einzelne bildnerische Phänomene wie Licht und Oberfläche, Serialität, Fläche und Raum macht diese Ausstellung zu einem „Must-see“ für jeden Designer und einer Inspirationsquelle für Gestaltung und strukturierten Bildaufbau. Wir waren dort nachdem uns schon die Sonderausstellung auf der ART Karlsruhe begeistert hat und wir einen Messeaufbau im nahegelegenen Congress Centrum Würzburg organisiert haben.

Ausstellungsobjekt aus Metall in Form von Treibholz
Schwarzweiß-Bild eines Innenraums in einem alten Getreidespeicher

RENDEZVOUS DER LÄNDER

Im linken Gebäudetrakt des Museums befindet sich die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“. In den zwei Räumen, die im Kulturspeicher deutschsprachigen Künstlern gewidmet sind, ist Christoph Freimann mit zwei Ausstellungsstücken vertreten. Unter anderem mit seiner Skulptur „Treibholz“, welche eine Einheit aus Plastik und Raum ergibt. Besonders Josef Albers, der ehemalige Bauhauslehrer, ist mit seinen einflussreichen Farbuntersuchungen von großer Bedeutung. Genau wie im Bauhaus, spielt bei der sich daraus entwickelt Konkreten Kunst, das Erschaffen von Raum eine enorme Rolle. Diese Kunstform hat einen engen Bezug zu Design. Formensprache und die Komposition von Räumen ist auch im Messebau ein wesentlicher Bestandteil des Schaffensprozesses. Unter anderem durch die Architektur des Standes, die richtige Ausleuchtung und auch die Ausstattung mit Möbeln und Grafiken, wird eine Komposition und ein Raum erschaffen, der schließlich eine Schnittstelle zwischen Kunst und Design ergibt.

buntes Exponat mit 3D-Effekt aus hervorspringenden Dreiecken
Installation mit farbigen Neonröhren in Form von Buchstaben

PHÄNOMENE DER BEWEGUNG

In den anderen Räumen der Ausstellung finden wir Protagonisten aus Frankreich, Belgien und Ungarn, aber auch aus Europas Süden und Osten. Von besonderem Interesse sind für viele Besucher die berühmten Werke Victor Vasarelys. Das Phänomen der Bewegung wird in diesen Räumen auf verschiedenen Wegen interpretiert: Plastisch gemalte Werken, die den Eindruck von 3D erzeugen und mehrere Bildebenen, deren Überlagerung zu optischem Flimmern und Vibrieren führt. In anderen Worten, Kinetische Kunst, die die Wahrnehmung verändert. Die künstlerische Reise führt über Italien, wo die Künstler vor allem die einmalige Verbindung zwischen Kunst und Design geschaffen haben. Ein leuchtendes Beispiel ist hier Mauricio Nannuccis Werk „Zeit“. Diese Installation bestehend aus farbigen Neonröhren verbindet Schrift mit Kunst und Design.

Ausstellungsraum mit skulpturalen Exponaten und Bildern an den Wänden

KONKRETE KUNST IN ALLEN FACETTEN

Egal wie vielfältig die einzelnen Kunstwerke auch ausfallen, sie haben doch eines gemeinsam: Sie orientieren sich nicht am Abbild der Wirklichkeit. Sondern sie erschaffen mit Hilfe von bildnerischen und mathematischen Mitteln eine eigene, künstlerische Wirklichkeit und Raum. Die Ausstellung zeigt, was für eine Entwicklung die Kunstform durchlaufen ist und welch breitem Spektrum an Materialien und Medien sie sich bedient. Obwohl Peter C. Ruppert im Februar 2019 verstarb, ist die Sammlung nicht abgeschlossen. Wir sind der Meinung, nicht nur das Museum im Kulturspeicher Würzburg ist sehenswert, sondern auch die Reise dahin!

Erfahren Sie mehr über die Sammlung und das Museum selbst unter 

PS: Ich liebe dich

PS: Ich liebe dich

ROLLENDE LICHTGESTALTEN

PS: Ich liebe dich

roter De Tomaso Mangusta Sportwagen ausgestellt als Kunstwerk

DIE AUSSTELLUNG „PS: ICH LIEBE DICH“ IM MUSEUM KUNSTPALAST DÜSSELDORF

Glänzender Lack, strahlende Felgen – Meisterwerke auf vier Rädern – zum ersten Mal in Europa wird der skulpturale Charakter des Automobils als Kunstwerk im Museum ausgestellt. „PS: Ich liebe Dich“ lautet der treffende Titel der Ausstellung im Museum Kunst Palast Düsseldorf, die vom 27.9.2018 bis zum 10.02.2019 stattfindet. Auch uns interessiert dieses Event im Hinblick auf Design. Es wirft die Frage auf: Wie präsentiere ich ein Produkt am besten? Denn auf Messen ist eine prägnante und innovative Präsentation jedes Produktes das A und O. Wird das Interesse des Besuchers nicht geweckt, sind die Inhalte nahezu hinfällig. Wir lassen uns auf der Sportwagenausstellung inspirieren.

AUTOS SIND KUNST

Kuratorin der Ausstellung Barbara Til wirft die Frage in den Raum: „Was sind Autos anderes als rollende Skulpturen?“ Hersteller wie Mercedes Benz, Jaguar, BMW, Ferrari und Porsche begeistern seit Jahrzehnten mit ihren Modellen und haben zeitlose Ikonen erschaffen. Ausgestellt werden dreißig Oldtimer aus den 1950er bis 1970er Jahren. Die Formensprache und das außergewöhnliche Design geben dem Raum eine ganz besonders elegante Ausstrahlung. Fast schon majestätisch thronen die teilweise handgefertigten Sportkarossen auf Plattformen und überzeugen die Besucher durch ihre gestalterische Einzigartigkeit. Eleganz und Rasanz in perfekter Kombination.

kristallblauer Prosche 911 auf einer grauen Plattform
Perspektive von vorne auf einen roten Sportwagen
silberner Sportwagen mit weichen Formen
Im Vordergrund ein orangefarbener Sportwagen scharf, im Hintergrund ein roter Sportwagen unscharf

BEGEHRTE EXPONATE

Die fahrbaren Gesamtkunstwerke sind größtenteils Prototypen. Sie waren auf der gesamten Welt unterwegs und stehen häufig in Garagen von Privatsammlern. Jeder dieser begehrten Wagen bringt seine eigene Geschichte mit und wirkt auf seine Weise.

Der rote De Tomaso Pantera ist uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben – besonders das brachiale Heck macht ihn zu einem Unikat. Und doch ist er ein typischer Sportwagen, sowohl technisch, als auch optisch. Der Motor ist unter zwei Flügeltüren im Heck des Autos versteckt. Obwohl die De Tomaso Modelle sowohl leistungsstark, als auch hochwertig gebaut wurden, wurden Sie nie als ernsthafte Konkurrenz zu anderen Sportwagen-Herstellern angesehen.

Als Beispiel ist hier natürlich die Ikone unter den Rennwagen zu nennen: der Porsche 911. Dieser ist der absolute Klassiker und Inbegriff der Marke Porsche. Er ist in der Düsseldorfer Ausstellung in seltenem „kristallblau“ zu bestaunen.

Nicht zu vergessen: Die Mutter aller Rennwägen, der Lamborghini Miura. Dieser Vorgänger des Lamborghini Countach, der ebenso in „PS: Ich liebe Dich!“ ausgestellt ist, zählt zu den schnellsten Sportwagen seiner Zeit. Er hat einen quer eingebauten Mittelmotor, der direkt hinter den Sitzen liegt.

Dies sind nur einige Eindrücke – nicht nur als Auto-, sondern auch als Design- und Kunstliebhaber, könnte man diese Liste noch lange weiter führen.

Fahrerseite eines roten Sportwagens
goldener Rennwagen

MIT LICHT INSZENIERT

Durch den schwarzen Hintergrund und die reduzierte Formensprache der Podeste nimmt sich der Raum zurück und lässt die rollenden Diven in vollem Glanz erscheinen den Raum einnehmen. Das akzentuiert gesetzte Licht lässt die Besucher als Statisten in den dunklen Hintergrund treten. Der bewusst gesetzte Hell-Dunkel-Kontraste setzt die Objekte in Szene. Die bewusst gesetzten Spitzlichter betonen die Formen und Konturen der Exponate und huldigen den Strich der Designer bei ihrem Entwurf. Auch auf Messeständen ist dieses Prinzip entscheidend: Die gekonnt gesetzte Beleuchtung betont die Formen des Exponats und hebt wichtige Details heraus.
Lichtgestalten mit Licht gestaltet – „PS: Ich liebe Dich“ zeigt wie viel man mit der richtigen Präsentation von Exponaten herausholen kann – gleich ob im Düsseldorfer Kunst Palast oder auf der nächsten Messe. Wir waren begeistert von den Ikonen auf vier Rädern!

Heck eines giftgrünen Ferrari Dino 246 GTS