Guggenheim meets Elíasson

Guggenheim meets Elíasson

Guggenheim Bilbao

       meets

Ólafur Elíasson

Roadtrip

Es hatte sich der glückliche Umstand ergeben, spontan einem 6-tägigen Roadtrip von Porto zurück in die Heimat beizuwohnen. Es war eigentlich eine Bus-Überführung, bei der ich mich kurzfristig als blinder Passagier eingeschlichen habe. Entlang der 2400 km langen Strecke gab es so einiges zu entdecken. Neben den vielen Portweinkellereien, Weingütern, leckeren Weinproben und kulinarischen Verköstigungen konnte nach dem steilen, kurvigen und von Weinreben bewachsenen Douro-Tal der kulturelle Abstecher nach Bilbao nicht fehlen. Betactive meets Guggenheim meets Elíasson.

Architektur aus organischen Freiformen
Text und dekorative Elemente auf einer Motorhaube

Der Bilbao-Effekt

In Bilbao durfte vor ein paar Jahren ein alter Bekannter das etwas triste Industrie-Stadtbild mit einem wirklich abgefahrenen Museumsbau aufwerten. Kein geringerer als Frank Gehry (ich glaube er lässt derzeit das „O.“ weg) durfte 1993 der Guggenheim Foundation sein Konzept präsentieren. Nach erstaunlich kurzer Bauzeit von 4 Jahren wurde im Herbst 1997 die Hütte feierlich eingeweiht. Seither hat sich die Stadt durch den gigantischen Kunst-Magneten gewaltig gemausert was auch Bilbao-Effekt genannt wird. Unbedingt sehens- und erlebenswert ist die Innenstadt mit alten Prachtbauten, vielen Geschäften, engen Gassen und unzähligen Pintxo-Bars, obwohl die restriktiven spanischen Corona-Regeln derzeit leider den Spaß schon einschränken. Zu den spanischen Tapas trinkt man am besten Rioja. Das Anbau-Gebiet liegt übrigens unweit von Bilbao. Leider hat der Weg uns, zumindest dieses Mal, nicht dorthin geführt.

Text und dekorative Elemente auf einer Motorhaube
Bunt bemaltes Haus in Türkis und Rot

komplexe Konstruktion

Das Guggenheim Museum selbst streckt sich am Fluß Nervión entlang mit verschiedenen, in sich verdrehten Ebenen, Dächern und Winkeln. Die Struktur des gesamten Baus ist sehr komplex und man findet wenige rechte Winkel – aber es gibt sie. Allerdings ist trotz der fließenden, in sich verschobenen und verdrehten Architektur doch ein klarer Weg durchs Museum zu finden — ganz im Gegensatz zum deutlich jüngeren Pendant in Paris. Auf drei Etagen befinden sich die Ausstellungen.

Aber schon an der Uferpromenade auf dem Weg zum Museum stößt man auf diverse Skulpturen der Superstars aus dem 20 Jahrhundert: Jeff Koons, Anish Kapoor oder Thomas Schütte vorne dabei. Im Erdgeschoß ist eine ganze Halle dem gigantischen, begehbaren Werk von Richard Serra gewidmet. Wow. Gleich mehrere seiner riesigen Stahl-Ellipsen darf man dort durch- und umlaufen. Gegenüber hat einer meiner besonderen Lieblinge einen Raum bespielen dürfen: Jenny Holzer mit einem ganzen Rudel an Lichtlaufbändern, die zum Himmel streben, und ihren einzigartigen Statements. Der gesamte Raum erstrahlt in blau und rot. Mega.

Kupferne gigantische Stahlellipsen
Kupferne gigantische Stahlellipsen
Durchgang mit Kunst an Boden, Wand und Decke
Durchgang mit Kunst an Boden, Wand und Decke
Fahrräder in der Draufsicht
sitzende Menschen bei Kunst-Festival

Guggenheim meets Elíasson

Und auf wessen Kunst treffe ich im 1. OG? Na die des derzeit fast omnipräsenten Ólafur Elíasson. Er ist heute in fast allen großen Sammlungen und Museen zu finden. Da fragt man sich, wie schafft er das? Ein wahres Genie der Selbstvermarktung. Mit seinem mittlerweile rund hundertköpfigen Team, das übrigens in Berlin seine Homebase hat, hat er eine ungewöhnliche Marke geschaffen. Seine Werke sind immer begeisternd und er beschäftigt sich mit der Natur und physikalischen Phänomenen wie Licht, Farben, Wasser, Nebel, Reflexionen und Bewegung.

Dies ist überlagert vom nachhaltigen Gedanken, auf Umweltzerstörung und den Klimawandel aufmerksam zu machen, was ihm meist beeindruckend gelingt. Beispielsweise mit der Bilderserie von isländischen Gletschern und dem schmelzenden Eis oder seinen gefärbten Flüssen. Große Bekanntheit hat auch seine Solarlampe für Afrika in Sonnenblumenform. Er schafft es Kunst und Natur zu verbinden. Mit das bekannteste Werk dürfte die riesige Sonne in der Tate London vor ein paar Jahren gewesen sein.

sitzende Menschen bei Kunst-Festival

Ein Erlebnis

In der Ausstellung in Bilbao sieht man einen Abriss bekannter Werke aus den unterschiedlichsten Schaffensbereichen. Angefangen mit vieleckigen Objekten, Spiegeln, Farbfolien und natürlich Licht, bzw. Lichtobjekte, die phantastische Effekte in den Raum zaubern. In die riesige Mooswand will man sich am liebsten hineinkuscheln. Einen Raum weiter wird es allerdings deutlich feuchter. Nebel steigt auf und Regenbogen spiegeln sich wider. Und wirklich monochrom wird es dann im „Room for one Color“ — ein echtes Erlebnis. Elíasson und das Guggenheim, bei Regen und Corona wohl kaum zu toppen.

Das Guggenheim hat natürlich noch weit mehr an großer Kunst zu bieten, aber irgendwann hat der Hunger gerufen und die Pintxos mit Rioja haben doch auch was verführerisches. Am nächsten morgen ging die Fahrt dann natürlich pünktlich weiter Richtung Frankreich. Bordeaux stand auf dem Plan!

Orange beleuchteter Raum mit Lichtröhren an der Decke
Richard Jackson

Richard Jackson

Richard Jackson

UNEXPECTED UNEXPLAINED UNACCEPTED

Unser erster Museumsbesuch seit Corona ging in die Schirn nach Frankfurt. Ganz unerwartet zu Richard Jackson aus California. Mit Online-Ticket für ein vorausgewähltes Zeitfenster, Maske und einer groben Vorstellung wie viel 1,5 Meter sind, haben wir uns in der ersten Schlange noch vor dem Gebäude eingereiht. Auch ein Seniorenheim machte wohl einen Ausflug. Neben unserem Ziel läuft noch eine zweite Ausstellung zu alten Künstlerdamen, aha! Nach kurzem treppauf ging es in einer zweiten Schlange weiter und der Abstand schrumpfte auf eine Armlänge — vor Spannung — oder wieviel sind gleich anderthalb Meter?

In jedem Falle wurde am Ende der zweiten Treppe klar getrennt: Links die Senioren und geradeaus durften wir. Ja, sonst war da niemand. Wir hatten die komplette Ausstellung für uns. Phantastisch. Geradezu unexpected. Woran das liegen mag? Hierzulande ist Richard Jackson wohl wenig bekannt. Jenseits des Teich aber sehr wohl. Er selbst ist großer Fan von Jackson Pollock und seine erste Schaffensphase dem abstrakten Expressionismus angelehnt. Er wohnte einige Zeit mit Bruce Naumann zusammen in Pasadena und wurde von seinem Förderer Edward Kienholz in die Kunstwelt von LA eingeführt, ursprünglich studierte er Bauingenieurwesen in Sacramento.

MALMASCHINEN

Richard Jacksons Kunst kurz beschrieben: ein konzeptuell-humoristisch-expressiver Environment-Popart-Mix. Dabei ist ihm der Entstehungsprozess wichtiger, nicht das Endprodukt. Nach seiner expressionistischen Phase hat sich für ihn immer mehr der Malprozess erweitert, dabei sind mit der Zeit immer mehr Malmaschinen entstanden, welche er selbst konstruiert. Diese können ganze Autos oder sogar Flugzeuge beinhalten. Diese Maschinen versprühen dann exakt geplant, zufällig Farbe. Klingt verrückt? Ist aber so. Seine Installationen sind immer vielteilig, aufwendig hergestellt und (nicht nur) durch lebensgroße Glasfiberkomikfiguren auch sehr lustig. Einige seiner Werke hat er auch wieder zerstört, der Weg ist sein Ziel.

THE WAR ROOM

Auf der Ausstellung selbst werden fünf seiner „Rooms“ gezeigt, seit 2005 sind davon bisher zwölf entstanden. Seine Werke benötigen Platz und als erstes springen einem die überlebensgroßen Dagoberts ins Auge. Mit „The War Room“ hat er Jasper Johns monumentales Gemälde „Dymaxion Map“, basierend auf Buckminster Fullers idealistischer Weltkarte, wieder zurück auf einen Raum gefaltet und ringsum riesige Generäle in Entenform positioniert, die sich gegenseitig mit Farbe bespritzen — der Kampf um die knappen Ressourcen.

THE DINING ROOM

In „The Dining Room“ hat er eine häusliche Szene, wie aus einem Splatterfilm als eskaliertes Abendessen dargestellt. Der Papa hat sich mal so richtig Luft gemacht. Auch hier wurde über gesteuerte Kompressoren ganz gezielt Farbe zufällig verspritzt.

BED ROOM

„Bed Room“ ist die Weiterführung einer 25 Jahre älteren (und zerstörten) Version eines detailgetreu nachgebauten Schlafzimmers. Allerdings muss sich unter dem Bett eine Hydraulik befunden haben, welche das mit Farbe versehene Bett an der Decke rotieren ließ. Er hat schon früher die farbige Leinwand zur Wand gedreht, so entstanden seine „Wall Paintings“.

THE MAID’S ROOM

Eine Hommage an Marcel Duchamps Installation „In Étant donnés“ hat er mit dem voyeuristischen Raum „The Maid’s Room“ geschaffen. Was da mit dem Staubsauger abgegangen ist, will man nicht wissen.“… man muss sich den Entstehungsprozess selbst vorstellen“, sagt der Künstler.

THE DELIVERY ROOM

Ähnlich blutig geht es in „The Delivery Room“ zu. In einem Kreißsaal findet eine Entbindung statt. Allerdings schaut das ganze aus wie ein Massaker. Wofür die verspritzte Farbe steht dürfte klar sein. Hier wird in einem Kraftakt die expressionistische Maschinenmalerei geboren.

Der 1939 geborene Künstler versucht bis heute die Malerei zu erweitern und hat wohl sichtlich Spaß dabei. Wenn gleich ihm klar ist, dass alles eine Lebensdauer hat, er irgendwann sterben wird und mit ihm dann auch seine Kunst! Nun ja, hoffentlich bleibt doch einiges davon erhalten. Tolle Ausstellung mit inspirierenden Werken. Unerwartet eben.

Vertigo

Vertigo

Vertigo

Stuttgart

Produktpräsentation eines kompakten schwarzen Mikroskops

ERFOLGSFAKTOR DESIGN

Unser Weihnachtsausflug hat uns nach Stuttgart geführt. Vor der Ausstellung Vertigo im Kunstmuseum hat uns unser Weg ins das Design Center Baden-Württemberg geführt. In der Ausstellung ERFOLGSFAKTOR DESIGN im Haus der Wirtschaft, im Steinbeis-Saal, werden Exponate ausgezeichneter Produkte des Designpreis FOCUS OPEN 2019 aus unterschiedlichsten Designdisziplinen und Branchen gezeigt. Gutes Design ist ein Innovations- und Erfolgsfaktor, man setzt sich vom Wettbewerb ab und stärkt damit seine Marke. Die Ausstellung ist kostenfrei und relativ überschaubar.

Modell eines gelben Krans

Interessante Produktentwicklungen

Aus den unterschiedlichsten Branchen gibt es Produktentwicklungen zu sehen wie das Minimic TL1 Mikroskop das durch seine kompakte Bauweise und transparente Oberfläche unter normalen Laborgeräten auffällt, zudem fehlt das Okular. Die eigentliche Innovation ist die durch KI und Cloud-basiertem Deep Learning selbstständige Auswertung von Proben. Viel größer aber trotzdem mikro ist das Mikrohofhaus Gebäudekonzept vom Atelier Kaiser Shen Architekten — Wohnen auf die wesentlichen Funktionen und minimale Fläche zu reduzieren.

Präsentation dreier Holzkohlegrills in schwarz auf je drei Metallbeinen

Männerspielzeug

Eher Makro, aber zum Bau von Wohnraum fast unabdingbar ist der 370 EC-B Turmkran von Liebherr. Ganz neu gedacht und konzipiert wurde dieser vom UP Designstudio. Ein wahres Spielzeug für Männer ist dann aber der Bowl, ein schicker multifunktionaler Holzkohlegrill von Höfats, zum Grillen, Kochen oder als Feuerschale verwendbar. Und sein schuppiges Grillgut schneidet man dann am besten mit einer ergonomischen Klinge aus der Sea Knives Messerserie von Robert Herder aus Solingen. Viel Spaß beim Genießen!

Bild eines Schiffes mit Schiffsschraube in schwarz-weiß

VERTIGO.
OP-ART UND EINE GESCHICHTE DES SCHWINDELS 1520 – 1970

Nach der kurzen Visite im Design Center haben wir uns spontan noch für einen Besuch im nahe gelegenen Kunstmuseum Stuttgart entschieden. Dort wird noch bis Mitte April die sehenswerte Ausstellung zur Op-Art gezeigt, in Zusammenarbeit mit dem Wiener mumok.

Kunst-Installation aus Hohlspiegeln, Acrylglas und Holz

Optische Täuschungen

In der Op-Art werden keine klassischen Inhalte mehr verarbeitet, sondern visuelle Wirkungen treten in den Vordergrund. Sehr grafische Formen, geometrische Muster, Verzerrungen, Kipp-Effekte und viele weitere Ansätze. Es wird auf alle Sinne abgezielt, bis hin zu Schwindel und Überforderung. Daher auch der Titel „Vertigo“ vom gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock.

Bild aus roten, blauen und weißen Wellen, das Bewegung vortäuscht

Konstruktive, Konkrete Kunst

Die Op-Art wird zwar den 1960er Jahren zugeschrieben, ihren wahren Ursprung hat sie aber wohl im BAUHAUS und dem russischen Konstruktivismus. Beide unterscheiden zwischen Licht und Farbe, was in deren Wahrnehmung begründet ist. Licht ist immateriell und kann sich bewegen, die Farbe jedoch haftet am Körper. Daher unterscheidet man auch die kinetische und die statische Op-Art — im Raum und auf der Fläche. In beiden Fällen wir mit optischen Effekten gespielt oder experimentiert, was den Reiz dieser Kunstrichtung ausmacht. Lustigerweise besonders gerne von (Gebrauchs-)Grafikern verwendet, die wie bspw. Victor Vasarely, auch ein künstlerisches Werk geschaffen haben. Und irgendwie mögen wir es auch gerne. Bei Messen geht es ja um Raum und eben auch Effekte, die den Besucher begeistert aufsehen lassen.

Op-Art Künstler

Um einige der bekanntesten Op-Art-Künstler zu nennen: Josef Albers, Heinz Mack, Bridget Riley oder auch Günther Uecker. Aber — wie der Titel erahnen lässt — gab es natürlich auch schon viel früher Künstler, die sich mit den optischen Phänomen auseinandergesetzt haben, oder geschickt obszöne Inhalte vertuscht haben.

Kunstinstallation aus Lichtprismen und Spiegeln

Die über zwei Stockwerke gehende Ausstellung begeistert mit jedem Bild, jeder Installation, jedem Effekt und jedem Raum den man betritt. Kleine wie große Kinder haben ihren Spaß bei den visuellen Erfahrungen, die man hier ganz spielerisch im Umgang mit Kunst macht und die Zeit vergeht wie im Fluge.

Mehr zum Thema optische Täuschungen gibt es in unseren Blogbeiträgen zu Victor Vasarely und ART Karlsruhe.

Zur Erholung nach dem aufregenden Nachmittag hatten wir erst mal einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt nötig. Auch letzterer mit seinen toll geschmückten Buden ist eine Reise wert, allerdings erst wieder zur nächsten Adventszeit. Unser nächster Blogbeitrag lässt hoffentlich nicht ganz so lange auf sich warten … wir bleiben dran!

Museum Brandhorst

Museum Brandhorst

Museum Brandhorst

Pinakothek der Moderne

Nachdem ich eigentlich wegen eines kleinen Wirbelsäulen-Fachkongresses in München war, um beim Standaufbau insbesondere unseren neu entwickelten, vibrationsfreien Unterboden beim Ersteinsatz zu begutachten, hat sich nach erfolgreichem Aufbau, der Folgetag zu einem wahren Ausstellungsmarathon entwickelt. Ich war zu Besuch im Museum Brandhorst und in der Pinakothek der Moderne.

MUSEUM BRANDHORST
FOREVER YOUNG

Das Museum Brandhorst feiert 10 Jahre. Seit Beginn begeistert mich ja immer noch die Fassade, welche aus eigens dafür entworfenen 36.000 Keramik-Elementen in 23 Farben besteht, was dem Gebäude selbst den Eindruck abstrakter Kunst gibt. Mindestens genauso bunt ist aber die Ausstellung FOREVER YOUNG.

 

Los geht es im EG mit den Pop-Art-Klassikern wie Andy Wahrhol, Keith Haring, Jean-Michel Basquiat, Jeff Koons und weiteren. Mein persönliches Highlight ist aber die Disko-Kugel, einmal stündlich dreht sie sich.

Im Untergeschoß wird es etwas aktueller, angeführt von Damien Hirsts Tablettensammlung, gefolgt von Mike Kellys Mobile-Interpretation oder Jutta Koethers „Gemäldesammlung“.

 Im Obergeschoß befindet sich die permanente Ausstellung von Cy Twombly. Die Rosenbilder hat er anlässlich der Eröffnung, eigens für den Saal konzipiert. Er hat einen sehr unverkennbaren abstrakten Stil mit aber immer wiederkehrenden Elementen. Auch seine handschriftartigen Bilder, wie bspw. „Nini’s Painting“ sind einzigartig. Man meint Fragmente lesen zu können, kann es aber nicht wirklich.

PINAKOTHEK DER MODERNE

Gleich nebenan befindet sich die Pinakothek der Moderne. Betritt man die Rotunde empfängt einen direkt ein riesiges verchromtes Pendel vom Meister der Lampen, Lichtobjekte und -installationen: Ingo Maurer. Das „Pendulum“ spiegelt die Besucher, die Säulen und natürlich das hereinfallende Licht und — durch die sanfte Bewegung — strahlt es Ruhe in einem meist gut besuchten Raum aus.

BALKRISHNA DOSHI
ARCHITEKTUR FÜR DEN MENSCHEN

Doch erst mal kurz die indische Verwandtschaft besuchen. Gleich neben der runden Theke geht es zur Ausstellung über „Balkrishna Doshi“. Indischer Architekt, Stadtplaner und Pädagoge. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat er unerbittlich daran gearbeitet die Architektur in Indien zu modernisieren. Angefangen bei Privathäusern über Schulen bis hin zu ganzen Städten oder Stadtteilen. Habe noch nie so viele tolle Holz-Architekturmodelle gesehen, wie in dieser Ausstellung, schon dafür lohnt der Weg. Obwohl der mit Le Corbusier und Louis I. Kahn zusammenarbeitete, hat er es geschafft deren Ansätze mit traditionellen indischen Formen zu verbinden und eine eigene Sprache zu entwickeln. Nachhaltigkeit spielt für ihn eine große Rolle um die sozialen, ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten in Indien einzubeziehen.

200 JAHRE THONET DESIGN

Folgt man nun dem Weg ins Untergeschoß zu all den Designklassikern, kommt man an der „200 Jahr Feier“ der Firma Thonet vorbei. Artig in der Stuhl-Arena nebeneinander aufgereiht, kann man alle Klassiker betrachten. Aber bitte nicht Platz nehmen! Thonet schaffte es mit neuen technologischen und produktionstechnischen Möglichkeiten eine neue moderne Formensprache zu schaffen. Die Form folgte den industriellen Fertigungsmethoden für die Serienproduktion. Und damit waren auch ganz Preise möglich. Später folgten dann die Stahlrohrmöbel, mit dabei die Klassiker von Mies van der Rohe und Marcel Breuer.

INGO MAURER
DESIGN OR WHAT?

Wenige Schritte weiter bin ich dann an meinem eigentlich Ziel angekommen „Ingo Maurer intim. Design or what?“ Die Ausstellung ist noch mit ihm gemeinsam entstanden, am 21. Oktober diesen Jahres ist er leider verstorben. Sein subtiler Umgang mit Licht und Schatten, die spielerischen Ideen sind unvergleichlich und technisch war er immer bei den Vorreitern. Einer meiner Lieblinge ist die Zettel’z, Filigrane Drähte mit kleinen Klammern, an die man beliebige Zettel hängen kann. Damit wird die Lampe niemals langweilig oder kann ganz pragmatisch genutzt werden. Toll auch die LED-Tapeten und natürlich alle gezeigten Stehlampen, Pendelleuchten, Lichtobjekte und die Niedervolt-Seilsysteme mit Halogenspots, womit er den internationalen Durchbruch schaffte und unzählige Male kopiert wurde.

Er gestaltet ganze öffentliche Räume, mit Licht hat er es geschafft Architektur, Design und Kunst zu verschmelzen. Allem voran steht immer eine Idee, ein Konzept, welches dann im Team brillant umgesetzt wird. Seine Lampen können wahrlich fliegen. Dürfte ich mich für eine Lampe in der Ausstellung entscheiden, wäre ich Schach-matt. Entscheidungsunfähig. Alles sind toll, auf ganz unterschiedliche Weise. Also unbedingt hingehen und ansehen!

Wer dann noch nicht genug hat schaut sich das künstlerisch-grafische Werk von Hermann Glöckner an oder dampft zwischen den schaurigen Gestalten bei „Feelings“ im ersten Obergeschoß aus. Die Pinakothek lohnt sich irgendwie immer. Frohes Fest!

Till Brönner – Melting Pott

Till Brönner – Melting Pott

Till Brönner

„MELTING POTT“

Galerie mit Exponaten im Bereich Wohndesign

MKM MUSEUM KÜPPERSMÜHLE FÜR MODERNE KUNST, DUISBURG

Auf unserem Weg durchs Ruhrgebiet haben wir uns entschieden, nach langer Zeit mal wieder im Museum Küppersmühle in Duisburg reinzuschauen. Bei tristem Wetter sind wir am Binnenhafen angekommen, ringsum Baustellen. Neben modernen Büro- und Wohnbauten erhebt sich der riesige und mehrfach erweiterte Backsteinbau von der Jahrhundertwende. In guter Erinnerung freuen wir uns auf den Besuch und wir werden von der Ausstellung Melting Pott von Till Brönner nicht enttäuscht!

Holzkonstruktion mit Badewanne zum Färben von Stoffen

Ein Besuch lohnt sich

Auf Ebene 1 wurden aktuelle Photographien von Till Brönner gezeigt. Auf den Ebenen 2 und 3 befindet sich die Sammlung. Dort sieht man alle deutschen „Superstars“ der Kunstszene: Lüpertz, Richter, Penck, Baselitz und Kiefer, die ZERO gruppe um nur einige zu nennen.

Das Museum ist aus der Sammlung von Hans Grothe hervorgegangen, von den aus Darmstadt stammenden Sammlern Stöhrer zu einer der größten Sammlung deutscher Nachkriegskunst erweitert. Tolle große Räume, tolle große Werke. An manchen Stellen haben die Architekten (Herzog & de Meuron) einen langen Schlitz gelassen, der den Blick in den verregneten Hafen freigibt und etwas Tageslicht hinein lässt. Es lohnt sich also in jedem Fall, für einen Besuch hierher zu kommen.

Holzkonstruktion mit Badewanne zum Färben von Stoffen
Stahlkonstruktion mit bunten Kunststofffolien

Der Pott – ganz schön ungeschönt

Die aktuelle Ausstellung von Till Brönner zeigt sein Revier: der Pott und er zeigt ihn ungeschönt. Ganz nah, direkt und mittendrin. Es sind die Menschen, die Städte, Straßen und Häuser aber auch Details. Vermutlich mag auch er wiederkehrende Muster. Sein zentrales Motiv – aus dem Pott nicht wegzudenken – der Bergbau mit seinen Zechen, dem Stahl und den Arbeitern.

Till Brönner ist bekannt als deutscher Jazztrompeter, unterrichtet diese auch als Professor und photographiert seit einigen Jahren erfolgreich. Seine doch teilweise sehr unterschiedlichen Bilder ergeben in der Ausstellung ein Ganzes und zeigen das Ruhrgebiet wie es ist. die Natur und der alte Industriebau, Arbeiter und bekannte Künstler, Stahlarbeiter und Schalkefans. Die abwechslungsreichen Eindrücke, die er mit seiner Kamera eingefangen hat, stehen für die Vielseitigkeit seiner Heimat. Auch wenn Till Brenner mittlerweile in Berlin und Los Angeles lebt, spürt man seine Verbundenheit zum Pott. Gelungen und unterhaltsam anzusehen. Die Zukunft wird zeigen, ob er seinen Stil weiter festigt und sich als Photograph etabliert. In jedem Fall hat die Ausstellung Spaß gemacht!

Weitere Photographien mit altem Industriecharme aus dem Pott finden Sie in unserem Blogbeitrag zur Zeche Zollverein.

Holzkonstruktion mit Badewanne zum Färben von Stoffen