Art Karlsruhe

Art Karlsruhe

SAMMLUNG
PETER C. RUPPERT

KONKRETE KUNST IN EUROPA NACH 1945

ART KARLSRUHE EHRT DEN SAMMLER AUS LEIDENSCHAFT MIT EINER SONDERAUSSTELLUNG

Formen, Farben und Linien wohin das Auge reicht – dargestellt als Gemälde, Skulptur, oder auf Papier. Der konstruktiv, konkreten Kunst wird hier Raum gegeben. Erst im Februar 2019 verstorben, ist die Sonderausstellung „Sammlung Peter C. Ruppert – konkrete Kunst in Europa nach 1945“ auf der art KARLSRUHE eine Hommage an den Berliner Vermögensberater und leidenschaftlichen Sammler. Er hat etwas Beeindruckendes geschaffen. Vor über 30 Jahren mit dem Erwerb von Grafiken begonnen, entstand der Wunsch Rupperts andere Unikate zu besitzen. Daraus ist über die Jahre ein umfangreiches Kunst- und Museumsprojekt entstanden. Wir haben die Messe für klassische Moderne und Gegenwartskunst in Karlsruhe besucht um uns einen Eindruck vom Werk des verstorbenen Kollektors zu machen.

Kunstwerk aus unterschiedlich geformten Vierecken in bunten Farben

GEORGE KORSMIT / 1ST. ABSOLUTE RIP-OFF, 2004

geometrische Formen, die sich ineinander verschlingen in eher düsteren Farben

JEAN DEWASNE / LA CROISÉE DES CHEMINS, 50ER JAHRE

EINE INTERNATIONALE SAMMLUNG

Die Privatsammlung, die Ruppert zunächst alleine, dann mit seiner Frau Rosemarie weiterführte, entsprang in den 1970ern der Faszination für geometrische Klarheit. Nach über drei Jahrzehnten umfasst sie insgesamt 420 Werke von circa 240 Künstlern aus 23 europäischen Ländern. Dabei haben sich die zwei Zentren der Konkreten Kunst, Zürich und Paris, mit Ihren Künstlern durchgesetzt und machen einen Großteil der Exponate aus. Allerdings enthält die Sammlung auch Werke aus südosteuropäischen Ländern, wie Polen, Ungarn oder auch Italien. Als Dauerleihgabe ist die Sammlung im Würzburger Museum im Kulturspeicher zu sehen.

abstrakte Skulptur aus Metall

GERARD CARIS / HELIX 2–2, BRANCHING, 2001

DIE EMANZIPATION DER KÜNSTLERISCHEN MITTEL

Doch was genau versteht man überhaupt unter Konkreter Kunst? Nach dem Zweiten Weltkrieg als europaweite Künstlerbewegung verbreitet, ist sie bis heute aktuell und in Bewegung. Der Begriff „Konkrete Kunst“ ist dabei zunächst irreführend: Er steht im Kontrast zu dem weit verbreiteten Alltagsbegriff „konkret“, der vom Duden als „bestimmt und dabei präzise, deutlich“ beschrieben wird. Denn die vielfältigen ausgestellten Werke haben eines gemeinsam: Sie bilden eben nicht die konkrete Realität ab, sondern lösen sich von der sichtbaren Welt um sie herum.

Dadurch, dass keine Gegenstände oder Personen abgebildet werden, erhalten Farben, Formen und Linien besondere Aufmerksamkeit. Um es in den Worten des russischen Schöpfers Wassily Kandinsky zu sagen: „Die neue Kunst hat den Grundsatz in den Vordergrund gestellt, dass Kunst nur sich selbst zum Inhalt haben kann. (…) Die ureigene Idee der Kunst ist Ihre Gegenstandslosigkeit.“ So suchen die Konkreten Künstler nach Möglichkeiten, das Unfassbare, also die Kunst selbst oder auch System und Struktur, sichtbar werden zu lassen.

DESIGN, RAUM UND KUNST IM EINKLANG

Auch Themen die uns als Messedienstleister betreffen, wie Design und das Schaffen von Räumen, spielen in der Konkreten Kunst eine große Rolle. Die geometrischen Formen gestalten Räumlichkeit und das nicht nur in Form von Skulpturen oder anderen dreidimensionalen Objekten, sondern auch in eigentlich zweidimensionalen Gemälden. Ein Beispiel ist das ausgestellte Werk „Lapidaire“ von Victor Vasarely, dem Meister der optischen Täuschung. Da sich die Gestalter der Geometrie und anderer mathematischer Verfahren bedienen, entsteht eine Schnittstelle zwischen Kunst und Design.

Leo Erb, der vom großen Bauhaus-Pädagogen Johannes Itten lernte, schafft mit seinem „Linienplastik“ eine Symbiose aus Kunst und designerischen Gestaltung. Da die Konkrete Kunst stets als modern und dem technischen Zeitalter entsprechende Kunstform angesehen wurde, ist sie auch für Betactive eine Inspiration. Räumlichkeit, Kunst und Design sind unvermeidlich miteinander verbunden und erschaffen eine ganz besondere Einheit, die mit dem Betrachter kommuniziert.

Gemälde von gestapelten Würfeln mit optischer Täuschung

VICTOR VASARELY / LAPIDAIRE, 1972

PS: Ich liebe dich

PS: Ich liebe dich

ROLLENDE LICHTGESTALTEN

PS: Ich liebe dich

roter De Tomaso Mangusta Sportwagen ausgestellt als Kunstwerk

DIE AUSSTELLUNG „PS: ICH LIEBE DICH“ IM MUSEUM KUNSTPALAST DÜSSELDORF

Glänzender Lack, strahlende Felgen – Meisterwerke auf vier Rädern – zum ersten Mal in Europa wird der skulpturale Charakter des Automobils als Kunstwerk im Museum ausgestellt. „PS: Ich liebe Dich“ lautet der treffende Titel der Ausstellung im Museum Kunst Palast Düsseldorf, die vom 27.9.2018 bis zum 10.02.2019 stattfindet. Auch uns interessiert dieses Event im Hinblick auf Design. Es wirft die Frage auf: Wie präsentiere ich ein Produkt am besten? Denn auf Messen ist eine prägnante und innovative Präsentation jedes Produktes das A und O. Wird das Interesse des Besuchers nicht geweckt, sind die Inhalte nahezu hinfällig. Wir lassen uns auf der Sportwagenausstellung inspirieren.

AUTOS SIND KUNST

Kuratorin der Ausstellung Barbara Til wirft die Frage in den Raum: „Was sind Autos anderes als rollende Skulpturen?“ Hersteller wie Mercedes Benz, Jaguar, BMW, Ferrari und Porsche begeistern seit Jahrzehnten mit ihren Modellen und haben zeitlose Ikonen erschaffen. Ausgestellt werden dreißig Oldtimer aus den 1950er bis 1970er Jahren. Die Formensprache und das außergewöhnliche Design geben dem Raum eine ganz besonders elegante Ausstrahlung. Fast schon majestätisch thronen die teilweise handgefertigten Sportkarossen auf Plattformen und überzeugen die Besucher durch ihre gestalterische Einzigartigkeit. Eleganz und Rasanz in perfekter Kombination.

kristallblauer Prosche 911 auf einer grauen Plattform
Perspektive von vorne auf einen roten Sportwagen
silberner Sportwagen mit weichen Formen
Im Vordergrund ein orangefarbener Sportwagen scharf, im Hintergrund ein roter Sportwagen unscharf

BEGEHRTE EXPONATE

Die fahrbaren Gesamtkunstwerke sind größtenteils Prototypen. Sie waren auf der gesamten Welt unterwegs und stehen häufig in Garagen von Privatsammlern. Jeder dieser begehrten Wagen bringt seine eigene Geschichte mit und wirkt auf seine Weise.

Der rote De Tomaso Pantera ist uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben – besonders das brachiale Heck macht ihn zu einem Unikat. Und doch ist er ein typischer Sportwagen, sowohl technisch, als auch optisch. Der Motor ist unter zwei Flügeltüren im Heck des Autos versteckt. Obwohl die De Tomaso Modelle sowohl leistungsstark, als auch hochwertig gebaut wurden, wurden Sie nie als ernsthafte Konkurrenz zu anderen Sportwagen-Herstellern angesehen.

Als Beispiel ist hier natürlich die Ikone unter den Rennwagen zu nennen: der Porsche 911. Dieser ist der absolute Klassiker und Inbegriff der Marke Porsche. Er ist in der Düsseldorfer Ausstellung in seltenem „kristallblau“ zu bestaunen.

Nicht zu vergessen: Die Mutter aller Rennwägen, der Lamborghini Miura. Dieser Vorgänger des Lamborghini Countach, der ebenso in „PS: Ich liebe Dich!“ ausgestellt ist, zählt zu den schnellsten Sportwagen seiner Zeit. Er hat einen quer eingebauten Mittelmotor, der direkt hinter den Sitzen liegt.

Dies sind nur einige Eindrücke – nicht nur als Auto-, sondern auch als Design- und Kunstliebhaber, könnte man diese Liste noch lange weiter führen.

Fahrerseite eines roten Sportwagens
goldener Rennwagen

MIT LICHT INSZENIERT

Durch den schwarzen Hintergrund und die reduzierte Formensprache der Podeste nimmt sich der Raum zurück und lässt die rollenden Diven in vollem Glanz erscheinen den Raum einnehmen. Das akzentuiert gesetzte Licht lässt die Besucher als Statisten in den dunklen Hintergrund treten. Der bewusst gesetzte Hell-Dunkel-Kontraste setzt die Objekte in Szene. Die bewusst gesetzten Spitzlichter betonen die Formen und Konturen der Exponate und huldigen den Strich der Designer bei ihrem Entwurf. Auch auf Messeständen ist dieses Prinzip entscheidend: Die gekonnt gesetzte Beleuchtung betont die Formen des Exponats und hebt wichtige Details heraus.
Lichtgestalten mit Licht gestaltet – „PS: Ich liebe Dich“ zeigt wie viel man mit der richtigen Präsentation von Exponaten herausholen kann – gleich ob im Düsseldorfer Kunst Palast oder auf der nächsten Messe. Wir waren begeistert von den Ikonen auf vier Rädern!

Heck eines giftgrünen Ferrari Dino 246 GTS
Thomas Hirschhorn

Thomas Hirschhorn

THOMAS HIRSCHHORN

NEVER GIVE UP THE SPOT

chaotische Ausstellung zum Mitmachen

MUSEUM ZUM MITMACHEN

Wie trete ich mit meinen Besuchern in Interaktion und lasse sie Teil der Ausstellung werden? Diese Frage ist für uns als Messeplaner und -designer essenziell. Denn Erlebbares bleibt im Gedächtnis und schafft einen neuen Zugang zu Marke und Produkt. Der Schweizer Installationskünstler Thomas Hirschhorn hat sich in seinem Kunstwerk „Never Give Up The Spot“ mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Die außergewöhnliche Ausstellung fand vom 19. Oktober 2018 bis zum 3. Februar 2019 im Münchener Museum Villa Stuck statt, welches dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum feiert.

Doch was ist das Besondere an diesem Kunstwerk? Der Bildhauer formt auf drei Stockwerken des neuen Atelierbaus eine graue Kunst-Ruine: In drei Metern Höhe thront eine Kloschüssel, am Boden liegen Betonbrocken und riesige Styroporklötze wild durcheinander. Die Fassade ist scheinbar zerstört, wirkt mit den herausstehenden Lüftungsrohren und herausgerissenen Kabeln wie ein gigantisches Chaos. Hirschhorn hat es mit seiner Open-Door-Mentalität geschafft, Zerstörung und Kreation miteinander zu verbinden. Dabei bedient er sich verschiedenster Kanäle: In der ganzen Stadt werden Flyer verteilt und unter dem Hashtag #NeverGiveUpTheSpot wird die Entwicklung des Kunstwerks auf Social-Media-Kanälen dokumentiert.

Durcheinander mit Styropor-Klötzen, einer Kloschüssel in großer Höhe und einer zerstörten Fassade
Notizen, Klebeband und Styropor als Ausstellungs-Gestaltungsmittel

EINE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE

Nicht nur der freie Eintritt sondern auch die Einladung zur Mitgestaltung verwandeln die Ruine in ein ansprechendes und interaktives Erlebnis für die Besucher. Diese haben die Möglichkeit in zwei Unterständen Neues zu kreieren und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen – alles ohne Wachpersonal. Dabei kann jeder mit Klebeband, bunter Farbe und Sprühdosen, sowie Papier und riesigen Styroporblöcken das begehbare Kunstwerk umgestalten und ergänzen.

JEDER IST WILLKOMMEN

Nach dem Willen des in Frankreich lebenden Künstlers sollen die Menschen selbst Hand anlegen – ein krasser Kontrast zu der klassischen „Bitte-nicht-berühren-Politik“ in vielen Museen. Wir waren beeindruckt, wie viele neue Werke innerhalb von dreieinhalb Monaten Ausstellungs-Zeit entstanden sind. Dabei betont Hirschhorn, dass die Definition eines „Werkes“ sehr individuell interpretiert werden kann: ein zwischenmenschliches Gespräch kann genauso erschaffen werden, wie ein Text oder ein Bild an der Wand. Die nötigen Werkzeuge, Materialien und Computer stehen für jeden zur freien Verfügung. „Ich denke, dass man für das nicht-exklusive Publikum arbeiten muss“, erklärt der Installations-Künstler, „das heißt, für den, der andere Probleme hat als Kunst.“

Ausstellungsbesucher sind selbst kreativ

EIN RAUM ZUM ERLEBEN UND KOMMUNIZIEREN

Hirschhorns neuartiger Ansatz interessiert uns besonders im Hinblick auf das Design von Messeständen. Mit unseren Projekten schaffen auch wir erlebbare Räume. Jeder Messestand übermittelt mit Hilfe von Architektur, Materialien, sowie Videos und Animationen eine Botschaft an den Besucher. Dieser kann das Produkt sehen, fühlen und erleben. Ähnlich kommuniziert auch Hirschhorn mit seinen Besuchern. Die künstlich erschaffene Ruine ist ein Ort zum offenen Kommunizieren und Gestalten. Er schafft Raum.

Gemälde einer Frau auf Pappkarton
zerstörte Fassade mit heraushängenden Lüftungsrohren

DAS „NEUE“ MUSEUM

Der Künstler selbst sieht die Ruine als „Versuch, das Museum neu zu denken“. Erst wenn alte Strukturen aufgebrochen werden, können neue entstehen. „Ich zerstöre das Museum nicht“, beteuert Hirschhorn, „ich möchte es dazu bringen, seine Position zu überdenken.“ Das Prinzip klassischer Museen ist zu weit vom Besucher entfernt. Häufig bestehend aus sterilen, neutralen Räumen lädt es höchstens dazu ein, sich im Flüsterton über die Kunst auszutauschen. Es bietet wenig Berührungspunkte zwischen Betrachter und Werk. Thomas Hirschhorn hat es geschafft diese künstlich erschaffene Distanz aufzulösen, Kunst erlebbar zu machen und sie in ein Gemeinschaftswerk zu verwandeln. Ganz nach dem Motto „jeder ist ein Künstler“.

Sagmeister und Walsh

Sagmeister und Walsh

SAGMEISTER
& WALSH

Beauty

Aufnahmen von Gebäuden aus verschiedenen Perspektiven

Schön = Gut = Wahr

Stefan Sagmeister, der sympathische und etwas verrückte Österreicher ist heute ein Superstar unter den Grafikern. Als Duo Sagmeister und Walsh hat er gemeinsam mit seiner New Yorker Studiokollegin Jessica Walsh die umfangreiche Ausstellung im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien konzipiert.

Nach seiner erfolgreichen „Happy Show“ fragt man sich, ob es vielleicht zu früh für das nächste große Event ist? Okay, er hat einige Elemente übernommen, wie Abstimmungsäulen, Typo-Videos und vielleicht etwas viel Eigenwerbung für sein Studio. Aber trotz allem ist das Thema spannend aufbereitet und hinterfragt die Grundlagen der Schönheit. Was empfinden wir als schön? Und ist Schönheit nur eine subjektive Ansicht?
In ihrem Projekt zeigen Sagmeister und Walsh gelungene Beispiele wie optisch ansprechende Gestaltung, nicht nur Räume und Landschaften sondern auch Menschen verändern kann. Ein Appell an Architekten, Städteplaner, Grafik- und Produktdesigner mit Ihrer Arbeit die Welt etwas besser zu machen.

Das MAK als Teil der Ausstellung

Kulturelle Unterschiede von Schönheit und das Farbempfinden sind visuell und haptisch in der Ausstellung erlebbar. Architektonische Elemente des MAKs wurden in die interaktive Ausstellung mit einbezogen, sodass wir gespannt sein können wie das Designstudio die Ausstellung in Frankfurt umsetzt. Dort ist sie vom 11. Mai bis 15. September 2019 zu sehen.

Blick von oben in die Ausstellung von Stefan Sagmeister
Beauty Schriftzug auf dunklem Untergrund mit dekorativen Elementen

#whybeautymatters

Wer bis dahin nicht warten will kann schon mal unter dem Hashtag #whybeautymatters beim Instagram-Contest mitmachen und BEAUTY-Siebdruckplakate gewinnen.
Gesucht werden die schönsten Gegenstände, die du benutzt.

Die Ausstellung läuft noch bis 31.3.2019 im MAK in Wien.
Vom 11.5. – 15.9.2019 ist sie im museum angewandte kunst in Frankfurt am Main zu besichtigen.

Mehr über interaktive Ausstellungen finden Sie in unserem Blogbeitrag zu Thomas Hirschhorn.

Erwin Wurm

Erwin Wurm

Erwin Wurm

Peace & Plenty

Skulptur einer flachgedrückten Kugel mit Beinen aus Metall

Künstler mit Humor

Erwin Wurm zählt längst zu den Weltstars der zeitgenössischen Kunst. Der Österreicher sagte mal „Humor ist eine Waffe“. Obwohl seine Kunstwerke einen skurrilen Humor haben, sieht er sich nicht als Humorist.
In einem Interview des Vitra Museum sagt er, er mache keine Witze. Die Themen sollen einem nahe gehen.

überdimensionierte Essiggurkerl-Skulptur von Erwin Wurm

Essiggurkerl

Mit seiner kuriosen Art will er Aufmerksamkeit wecken und zum genaueren Hinsehen auffordern. Neben seinen „Fat“-Skulpturen, die kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos oder Einfamilienhäuser in einem „verfetteten“, aufgeblähten Zustand zeigen, sticht vor allem sein „Selbstporträt als Essiggurkerl“ ins Auge. Erwin Wurm als scharfer und unsentimentaler Beobachter macht mit seiner provokanten Situationskomik auch vor sich selbst nicht halt.
Sein „Narrow House“, ein Modell seines Elternhauses, auf ein Sechstel seiner Größe in der Längsachse reduziert war Teil der 54. Kunstbiennale in Venedig 2011. Berühmt berüchtigt wurde Erwin Wurm durch seine „One-Minute-Sculptures“. Dafür posieren Personen mit Alltagsgegenständen in einem kuriosen Zusammentreffen.

Momentaufnahmen von porträtierten Personen in Bilderrahmen von Erwin Wurm

(Aus)gezeichnetes Tagebuch

Auch wenn seine Beweggründe tiefer gehen, muss man unweigerlich schmunzeln wenn man durch die aktuelle Ausstellung „Peace & Plenty“ im Albertina in Wien läuft. Und immer wieder entdeckt man Neues. Das liegt wohl daran, dass Erwin Wurm fast täglich zeichnet. Egal ob daheim oder auf Reisen.
Zeichnend überbrückt er beispielsweise die ersten Morgenstunden. Dabei arbeitet er mit dem vor Ort verfügbaren Papier, in verschiedenen Qualitäten und Formaten. Die Ausstellung „Peace & Plenty“ verweist auf diese Situation – so heißt nämlich das Hotel in George Town/Great Exumas, in dem unzählige Zeichnungen entstanden sind. Thematisch gleichen sie einem Tagebuch, tauchen darin neben Selbstporträts doch vor allem Freunde und Familien auf oder auch Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur.

Wer noch nicht da war, kann sich die Ausstellung „Erwin Wurm. Peace & Plenty“ bis zum 10. Februar 2019 in der Albertina in Wien anschauen.