Dutch Design Week Eindhoven

Dutch Design Week Eindhoven

Dutch Design Week 

Eindhoven

Galerie mit Exponaten im Bereich Wohndesign

Lässig, chic und unkonventionell

Eindhoven ist mit rund 230.000 Einwohnern nicht riesig, aber die Dutch Design Week hat sich über die letzte Jahre zur bedeutendsten Design Week Europas entwickelt. Über die ganze Stadt verteilt und mit mehreren Schwerpunkten bietet sie für jeden etwas. Man kann also gar nicht enttäuscht werden. Erwartet werden sage und schreibe 350.000 Besucher in einer Woche. Das tolle ist, dass die Veranstalter mehrere kostenfreie Bus-Shuttle-Linien eingerichtet haben um verschiedene (oder auch alle) Schwerpunkte per Hop-On/Hop-Off  zu besuchen. Insgesamt acht Routen unter anderem mit den Themen „Bio Design“, „Art & Collectables“, „Architecture & Public Space“. Wir haben uns vor allem die zwei Bereiche Downtown und Strijp, das ehemalige Philipsgelände, vorgenommen.

Das für den gemeinen Gestalter besonders auffällige ist, dass die Niederlande generell irgendwie designter sind und häufiger nach unkonventionellen Lösungen gesucht werden. Egal, ob es die gestreiften Ampeln sind, die von Studio Dumbar entworfenen Polizeiautos, oder ob man in ein Ladengeschäft geht — alle haben schicke Logos oder ein lässiges Interior, aber teilweise gewiss auch sehr eigen.

Holzkonstruktion mit Badewanne zum Färben von Stoffen

Einfach spannend

Trotz des unpraktischen Plans der ddw, den es online wie offline gab, haben wir in der kurzen Zeit viel gesehen. Wir haben uns treiben lassen und montag morgens erst mal die Innenstadt zu Fuß entdeckt. Gleich der erste Stop war spannend: Studio Nienke Hoogvliet in der Schellensfabrik im Bleekweg. Hier konnte man sein eigenes Bio-Bekleidungsstück nachhaltig mit Pflanzen und Kräutern färben und später mitnehmen. Besonders das mit einfachen Mitteln pragmatisch und doch spannend gelöste Ausstellungsdesign hat uns sehr gefallen.

Stahlkonstruktion mit bunten Kunststofffolien

Green Energy Mill Tower

Unübersehbar war der GEM Tower schon von weitem. GEM steht für the Green Energy Mill. Der Turm mit Sitzmöglichkeiten ist eine Kombination aus Windrad und Solar-Energie, welche über spezielle, bunte Kunststofffolien eingefangen wird. Er soll ausreichend Energie für Festivals generieren, die ja oft im Sommer auf freiem Feld stattfinden. Macht nicht nur optisch gute Laune!

Raum mit Holzstreben und Holzplatten, in dem ein T-Shirt aus nachhaltigen Materialien hängt

The End is near

Ein kurzes Stück weiter, im „Warehouse of Innovation“ ging es erst mal düster zur Sache. Unter dem Thema „The End is Near“ stellen junge Designer durchgeknallte Klamotten im Endzeit-Look vor und thematisieren dadurch die Fashionindustrie als großen Umweltsünder. Der zweite Teil stellte dann die zukunftsfähigen Materialien vor, wie z.B. Algen, Quallen oder recyceltes Acryl. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und wurden im Bereich Mode, Möbeln, Beschattungen, Bootsbau und vieles mehr gezeigt.

Aufgefallen ist uns hier Wendy Andreu mit ihrem Projekt HARD SELVEDGES für SUNBRELLA — Faser-Abfälle aus der Produktion werden als Rohstoff für neue Materialien verwendet. Basierend auf einem lösemittelfreien Acrylharz sind sie nicht nur widerstandsfähig, sondern haben individuelle neuartige Designs.

Knallbunte Fasern aus Abfällen
weiße Pilze für die Verwendung in der Architektur

Growing Pavilion

Unser nächstes großes Ziel war dann Strijp. In den ehemaligen Philips Produktionshallen gibt es viel Platz für innovative, junge Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Raum für zahlreiche Ausstellungen. Man hätte problemlos mehrere Tage hier verbringen kann. Ein paar Highlights: Schon das Außengelände mit diversen Pavillons lädt zum verweilen ein. Am ungewöhnlichsten ist wohl der GROWING PAVILION von Pascal Lebouq und Krown Design. Die Außenhaut ist komplett aus dem nachwachsenden Myzel von Ganoderma-Pilzen und mit Ästen, Zweigen und pflanzlichen Abfällen „konstruiert“. Wofür der Pilz noch verwendbar ist, z.B. Möbel oder Kleidung, sieht man im Inneren. Wirklich aufregend!

Bunte Pappkartonflächen mit Begriffen zum Thema Produktlebenszyklus

Circular Design

Nebenan im Powerhouse, bei CIRCO lernt man, wie man sehr einfach neue Geschäftsmodelle entwickelt. Circular Design für Produkt- und Materialdesign, nachhaltige Materialien zu schaffen, die am besten nach dem Cradle-to-Cradle Prinzip funktionieren, alles was man dem Kreislauf entnimmt, kann ihm am Ende seines Lebenszyklus wieder zurückgegeben werden.

Skateboard mit einem dicken Rad in der Mitte

Mobilität in der Zukunft

Ein großes Thema auf dem Freigeländer dahinter war natürlich Mobilität. Verschiedene Fahrzeug Konzepte werden vorgeführt und man darf auch selbst den Helm aufsetzen und losflitzen. Zum Beispiel mit meinem Favoriten — dem Onewheel Board. Ein Skateboard mit einem dicken Rad in der Mitte. Cooler kann man kaum durch die Stadt skaten, solange man das Gleichgewicht hält. Nur durch Gewichtsverlagerung beschleunigt man, bremst oder fliegt ins Gebüsch. Mit 25 Sachen. Ka-Wumm. Geil. Übung macht den Meister.

Präsentationstafeln mit verschiedenen Algen in Glasbehältnissen

Raumluft zum Reinbeissen

Mit viel mehr Zeit und Ruhe, geht es bei Hyunsoek Ans Projekt THE CORAL um die Reinigung von Raumluft mit Hilfe von Algen, die man dann auch noch essen kann! Klingt verrückt, ist es auch! Typisch asiatisch! Optisch erinnert die Installation an IKEA, geschmacklich sind die Algen wohl auch eher fad, dafür aber unglaublich gesund und vor allen Dingen ist die Luft dufte! Tolle Idee.

Plattenmaterial aus Holzstaub-Abfällen

New Lignum

Ein weiterer Ort der Dutch Design Week, den wir nicht unerwähnt lassen wollen, war die Kazerne in der Paradijslaan mit allen Nebengebäuden. Eigentlich Hotel und Restaurant, aber gleichzeitig ein Ort für Kunst, Design, Objekte, Möbel und Architektur. Hervorheben möchte ich das Material NEW LIGNUM von den beiden Studenten der Design Academy Eindhoven Ahrenberg & Guzman Olmos, die Holzstaub-Abfälle aus Schreinereien mit Casein mischen, gefärbt wird es durch Oxidation bspw. mit Kupfer und zum Schluss gepresst. Daraus entsteht eine sehr leichte, interessante Optik, die etwas an Pressspan erinnert. Das Ergebnis sind erstaunlich stabile Plattenware oder Formen, die das Studio direkt zu Möbeln verarbeitete. Wenn das Material serienreif ist, würde ich es gerne im Messebau verwenden.

Die Kunst des Auffallens

Die Kunst des Auffallens

Die einmalige Kunst des Auffallens

Schaufenster

auffallend buntes Schaufenster mit Puppe

BÜHNE FREI FÜR DAS PRODUKT

Ein scheinbar unendlicher Tunnel, brillante Farben und das Gefühl man stehe vor einem bunten Spiegelkabinett. Was klingt wie eine künstlerische Inszenierung, ist die Beschreibung des Louis Vuitton Schaufensters in München. Nicht ohne Grund haben zahlreiche Künstler, insbesondere Maler, ihr erstes Geld mit dem Dekorieren von Schaufenstern verdient. Denn was ist ein Schaufenster anderes als eine kleine Kunstausstellung, die die Bühne für die eigentlichen Stars freigibt: die Produkte. Es geht um die Kunst des Auffallens. Für uns als Messebauer sind Schaufenster ebenso faszinierend wie für Künstler. Schaufenster als Mini-Messestand, die ein Produkt, eine Marke, ein Lebensgefühl und einen Style inszenieren – und das auf kleinstem Raum.

weißer Rucksack in buntem Tunnel

DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT

Schaufenster müssen begeistern und überraschen, denn nur dann bleiben Passanten stehen, staunen und lassen sich gebannt in die Produktwelt entführen. Natürlich ist das eigentliche Ziel der Verkauf, aber darüber hinaus sollen die Inszenierungen inspirieren, überraschen und zum Staunen bringen. Diese modernen Verführungskonzepte bestimmen wie ein Unternehmen wahrgenommen wird. Wie auch auf einer Messe, repräsentiert die Fenster-Ausstellung eine Marke, ein Gesamtkonzept und das passende jeweilige Corporate Design des Händlers. Angefangen von den Farben, bis hin zur Beleuchtung und den verwendeten Materialien; das Schaufenster als Gesamtkunstwerk ist ein beeindruckendes Marketinginstrument zur Markenbildung und fängt die Aufmerksamkeit der Menschen auf den ersten Blick.

riesengroßes Legomännchen und Schaufensterpuppen mit Kinderbekleidung
Schaufenster mit zwei beleuchteten, bunt bekleideten Puppen

DIE KUNST DER INSZENIERUNG

Wie auch bei einem Messestand geht es bei Ladenfenstern also um die perfekte Inszenierung und Präsentation des Produktes, nicht um die einfache Darstellung. Der Kunde muss abgeholt werden um das Exponat erleben zu können. Dabei sind die Produkt-Ausstellungen Botschafter von Informationen und Spiegel des Zeitgeistes. Sie müssen genau auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Zur perfekten Präsentation gehört neben vielen anderen Faktoren natürlich die richtige Beleuchtung. Diese macht es möglich, gekonnt Highlights zu setzen und unwichtige Dinge in den Hintergrund rücken zu lassen. Spielt beim Schaufenster auch das Außenlicht eine Rolle, ist auf einem Messestand der Fokus auf Spots gelegt.

Schaufenster mit übergroßen Dominosteinen
Schaufenster mit Schmuck und Urwalddekoration und einem Flamingo

AUFFALLEND BESONDERS
UND BESONDERS AUFFALLEND

Gerade in der heutigen Zeit der Digitalisierung und Online Handels, muss sich das Einkaufserlebnis gegenüber der virtuellen Konkurrenz durchsetzen. Auffallen ist dabei natürlich Pflicht. Erreicht wird dies durch eine gekonnte Prise an Verrücktheit, eine in sich stimmige Ästhetik und einer Modernität, die den aktuellen Trends gerecht wird. Nur wer es schafft eine Geschichte zu erzählen macht aus Betrachtern auch Neukunden. Wir als Messedesigner und Messebauer wissen wie wichtig es ist, Räume erlebbar zu machen und durch ein besonderes Design in die Interaktion mit dem Kunden zu treten um dabei eine eigene Handschrift zu entwickeln. Jeder Messestand, genauso wie jedes gelungene Schaufenster, bewegt sich somit abseits der reinen Produktpräsentation und ist eine wahre Bühne.

Schaufenster mit Uhren und facettierten Gorillas