Guggenheim meets Elíasson

Guggenheim meets Elíasson

Guggenheim Bilbao

       meets

Ólafur Elíasson

Roadtrip

Es hatte sich der glückliche Umstand ergeben, spontan einem 6-tägigen Roadtrip von Porto zurück in die Heimat beizuwohnen. Es war eigentlich eine Bus-Überführung, bei der ich mich kurzfristig als blinder Passagier eingeschlichen habe. Entlang der 2400 km langen Strecke gab es so einiges zu entdecken. Neben den vielen Portweinkellereien, Weingütern, leckeren Weinproben und kulinarischen Verköstigungen konnte nach dem steilen, kurvigen und von Weinreben bewachsenen Douro-Tal der kulturelle Abstecher nach Bilbao nicht fehlen. Betactive meets Guggenheim meets Elíasson.

Architektur aus organischen Freiformen
Text und dekorative Elemente auf einer Motorhaube

Der Bilbao-Effekt

In Bilbao durfte vor ein paar Jahren ein alter Bekannter das etwas triste Industrie-Stadtbild mit einem wirklich abgefahrenen Museumsbau aufwerten. Kein geringerer als Frank Gehry (ich glaube er lässt derzeit das „O.“ weg) durfte 1993 der Guggenheim Foundation sein Konzept präsentieren. Nach erstaunlich kurzer Bauzeit von 4 Jahren wurde im Herbst 1997 die Hütte feierlich eingeweiht. Seither hat sich die Stadt durch den gigantischen Kunst-Magneten gewaltig gemausert was auch Bilbao-Effekt genannt wird. Unbedingt sehens- und erlebenswert ist die Innenstadt mit alten Prachtbauten, vielen Geschäften, engen Gassen und unzähligen Pintxo-Bars, obwohl die restriktiven spanischen Corona-Regeln derzeit leider den Spaß schon einschränken. Zu den spanischen Tapas trinkt man am besten Rioja. Das Anbau-Gebiet liegt übrigens unweit von Bilbao. Leider hat der Weg uns, zumindest dieses Mal, nicht dorthin geführt.

Text und dekorative Elemente auf einer Motorhaube
Bunt bemaltes Haus in Türkis und Rot

komplexe Konstruktion

Das Guggenheim Museum selbst streckt sich am Fluß Nervión entlang mit verschiedenen, in sich verdrehten Ebenen, Dächern und Winkeln. Die Struktur des gesamten Baus ist sehr komplex und man findet wenige rechte Winkel – aber es gibt sie. Allerdings ist trotz der fließenden, in sich verschobenen und verdrehten Architektur doch ein klarer Weg durchs Museum zu finden — ganz im Gegensatz zum deutlich jüngeren Pendant in Paris. Auf drei Etagen befinden sich die Ausstellungen.

Aber schon an der Uferpromenade auf dem Weg zum Museum stößt man auf diverse Skulpturen der Superstars aus dem 20 Jahrhundert: Jeff Koons, Anish Kapoor oder Thomas Schütte vorne dabei. Im Erdgeschoß ist eine ganze Halle dem gigantischen, begehbaren Werk von Richard Serra gewidmet. Wow. Gleich mehrere seiner riesigen Stahl-Ellipsen darf man dort durch- und umlaufen. Gegenüber hat einer meiner besonderen Lieblinge einen Raum bespielen dürfen: Jenny Holzer mit einem ganzen Rudel an Lichtlaufbändern, die zum Himmel streben, und ihren einzigartigen Statements. Der gesamte Raum erstrahlt in blau und rot. Mega.

Kupferne gigantische Stahlellipsen
Kupferne gigantische Stahlellipsen
Durchgang mit Kunst an Boden, Wand und Decke
Durchgang mit Kunst an Boden, Wand und Decke
Fahrräder in der Draufsicht
sitzende Menschen bei Kunst-Festival

Guggenheim meets Elíasson

Und auf wessen Kunst treffe ich im 1. OG? Na die des derzeit fast omnipräsenten Ólafur Elíasson. Er ist heute in fast allen großen Sammlungen und Museen zu finden. Da fragt man sich, wie schafft er das? Ein wahres Genie der Selbstvermarktung. Mit seinem mittlerweile rund hundertköpfigen Team, das übrigens in Berlin seine Homebase hat, hat er eine ungewöhnliche Marke geschaffen. Seine Werke sind immer begeisternd und er beschäftigt sich mit der Natur und physikalischen Phänomenen wie Licht, Farben, Wasser, Nebel, Reflexionen und Bewegung.

Dies ist überlagert vom nachhaltigen Gedanken, auf Umweltzerstörung und den Klimawandel aufmerksam zu machen, was ihm meist beeindruckend gelingt. Beispielsweise mit der Bilderserie von isländischen Gletschern und dem schmelzenden Eis oder seinen gefärbten Flüssen. Große Bekanntheit hat auch seine Solarlampe für Afrika in Sonnenblumenform. Er schafft es Kunst und Natur zu verbinden. Mit das bekannteste Werk dürfte die riesige Sonne in der Tate London vor ein paar Jahren gewesen sein.

sitzende Menschen bei Kunst-Festival

Ein Erlebnis

In der Ausstellung in Bilbao sieht man einen Abriss bekannter Werke aus den unterschiedlichsten Schaffensbereichen. Angefangen mit vieleckigen Objekten, Spiegeln, Farbfolien und natürlich Licht, bzw. Lichtobjekte, die phantastische Effekte in den Raum zaubern. In die riesige Mooswand will man sich am liebsten hineinkuscheln. Einen Raum weiter wird es allerdings deutlich feuchter. Nebel steigt auf und Regenbogen spiegeln sich wider. Und wirklich monochrom wird es dann im „Room for one Color“ — ein echtes Erlebnis. Elíasson und das Guggenheim, bei Regen und Corona wohl kaum zu toppen.

Das Guggenheim hat natürlich noch weit mehr an großer Kunst zu bieten, aber irgendwann hat der Hunger gerufen und die Pintxos mit Rioja haben doch auch was verführerisches. Am nächsten morgen ging die Fahrt dann natürlich pünktlich weiter Richtung Frankreich. Bordeaux stand auf dem Plan!

Orange beleuchteter Raum mit Lichtröhren an der Decke
Richard Jackson

Richard Jackson

Richard Jackson

UNEXPECTED UNEXPLAINED UNACCEPTED

Unser erster Museumsbesuch seit Corona ging in die Schirn nach Frankfurt. Ganz unerwartet zu Richard Jackson aus California. Mit Online-Ticket für ein vorausgewähltes Zeitfenster, Maske und einer groben Vorstellung wie viel 1,5 Meter sind, haben wir uns in der ersten Schlange noch vor dem Gebäude eingereiht. Auch ein Seniorenheim machte wohl einen Ausflug. Neben unserem Ziel läuft noch eine zweite Ausstellung zu alten Künstlerdamen, aha! Nach kurzem treppauf ging es in einer zweiten Schlange weiter und der Abstand schrumpfte auf eine Armlänge — vor Spannung — oder wieviel sind gleich anderthalb Meter?

In jedem Falle wurde am Ende der zweiten Treppe klar getrennt: Links die Senioren und geradeaus durften wir. Ja, sonst war da niemand. Wir hatten die komplette Ausstellung für uns. Phantastisch. Geradezu unexpected. Woran das liegen mag? Hierzulande ist Richard Jackson wohl wenig bekannt. Jenseits des Teich aber sehr wohl. Er selbst ist großer Fan von Jackson Pollock und seine erste Schaffensphase dem abstrakten Expressionismus angelehnt. Er wohnte einige Zeit mit Bruce Naumann zusammen in Pasadena und wurde von seinem Förderer Edward Kienholz in die Kunstwelt von LA eingeführt, ursprünglich studierte er Bauingenieurwesen in Sacramento.

MALMASCHINEN

Richard Jacksons Kunst kurz beschrieben: ein konzeptuell-humoristisch-expressiver Environment-Popart-Mix. Dabei ist ihm der Entstehungsprozess wichtiger, nicht das Endprodukt. Nach seiner expressionistischen Phase hat sich für ihn immer mehr der Malprozess erweitert, dabei sind mit der Zeit immer mehr Malmaschinen entstanden, welche er selbst konstruiert. Diese können ganze Autos oder sogar Flugzeuge beinhalten. Diese Maschinen versprühen dann exakt geplant, zufällig Farbe. Klingt verrückt? Ist aber so. Seine Installationen sind immer vielteilig, aufwendig hergestellt und (nicht nur) durch lebensgroße Glasfiberkomikfiguren auch sehr lustig. Einige seiner Werke hat er auch wieder zerstört, der Weg ist sein Ziel.

THE WAR ROOM

Auf der Ausstellung selbst werden fünf seiner „Rooms“ gezeigt, seit 2005 sind davon bisher zwölf entstanden. Seine Werke benötigen Platz und als erstes springen einem die überlebensgroßen Dagoberts ins Auge. Mit „The War Room“ hat er Jasper Johns monumentales Gemälde „Dymaxion Map“, basierend auf Buckminster Fullers idealistischer Weltkarte, wieder zurück auf einen Raum gefaltet und ringsum riesige Generäle in Entenform positioniert, die sich gegenseitig mit Farbe bespritzen — der Kampf um die knappen Ressourcen.

THE DINING ROOM

In „The Dining Room“ hat er eine häusliche Szene, wie aus einem Splatterfilm als eskaliertes Abendessen dargestellt. Der Papa hat sich mal so richtig Luft gemacht. Auch hier wurde über gesteuerte Kompressoren ganz gezielt Farbe zufällig verspritzt.

BED ROOM

„Bed Room“ ist die Weiterführung einer 25 Jahre älteren (und zerstörten) Version eines detailgetreu nachgebauten Schlafzimmers. Allerdings muss sich unter dem Bett eine Hydraulik befunden haben, welche das mit Farbe versehene Bett an der Decke rotieren ließ. Er hat schon früher die farbige Leinwand zur Wand gedreht, so entstanden seine „Wall Paintings“.

THE MAID’S ROOM

Eine Hommage an Marcel Duchamps Installation „In Étant donnés“ hat er mit dem voyeuristischen Raum „The Maid’s Room“ geschaffen. Was da mit dem Staubsauger abgegangen ist, will man nicht wissen.“… man muss sich den Entstehungsprozess selbst vorstellen“, sagt der Künstler.

THE DELIVERY ROOM

Ähnlich blutig geht es in „The Delivery Room“ zu. In einem Kreißsaal findet eine Entbindung statt. Allerdings schaut das ganze aus wie ein Massaker. Wofür die verspritzte Farbe steht dürfte klar sein. Hier wird in einem Kraftakt die expressionistische Maschinenmalerei geboren.

Der 1939 geborene Künstler versucht bis heute die Malerei zu erweitern und hat wohl sichtlich Spaß dabei. Wenn gleich ihm klar ist, dass alles eine Lebensdauer hat, er irgendwann sterben wird und mit ihm dann auch seine Kunst! Nun ja, hoffentlich bleibt doch einiges davon erhalten. Tolle Ausstellung mit inspirierenden Werken. Unerwartet eben.

Stephan Marienfeld

Stephan Marienfeld

STEPHAN MARIENFELD

KUNST, DIE UNS FESSELT

Wir haben den aufstrebenden deutschen Künstler Stephan Marienfeld in seinem Atelier in Hattingen an der Ruhr besucht. Auch wenn unsere Besichtigungstour schon eine Weile her ist, möchten wir doch endlich mal unsere Eindrücke über seine Arbeiten und den sympathischen Menschen dahinter teilen.

VOM BESTEN GELERNT

Stephan Marienfeld war fast zehn Jahre lang Schüler und Assistent Anthony Craggs, damaliger Rektor der Kunstakademie Wuppertal. Diese Zeit mit dem erfolgreichen bildenden Künstler hat Marienfeld sehr geprägt. Als seine „rechte Hand“ setzte er viele Jahre lang dessen Entwürfe in die dritte Dimension um und war damit unmittelbar an der Realisierung vieler bekannter Kunstwerke beteiligt. Im Jahr 2000 hat er sich dann schließlich in die künstlerische Eigenständigkeit gewagt und anschließend zahlreiche prämierte Ausstellungen im In- und Ausland realisiert. Er wird von Galerien auf der ganzen Welt vertreten und viele seiner Werke befinden sich mittlerweile in öffentlichen und privaten Sammlungen.

NEUE FORMEN DES AKTES

Einen Namen gemacht hat sich Stephan Marienfeld vor allem mit seiner Bondage-Reihe. Ein Beispiel dafür ist „Dislike“, in der er mit optischen Täuschungen spielt. Die häufig an Bäumen oder Wänden angebrachten Werke machen den Eindruck leicht verformbarer Luftballons, die von einem Hanfseil gehalten und gleichzeitig gefesselt werden. Seine Intention ist die Anordnung der Dislikes an verschiedenen Objekten, wo sie scheinbar nicht hingehören. Was so weich und elastisch wirkt, ist eigentlich eine mit Lack übergossene Skulptur aus unterschiedlichen Materialien. Die Objekte, mit Seilen verformt und von ihnen eingeengt, repräsentieren Knechtschaft und den Druck von außen.

BLOW UP

Den scheinbaren Ausbruchskampf der Skulptur thematisiert ebenso die Beherrschung von Material – ein maßgebliches Thema aller Arbeiten Marienfelds. Das Spiel zwischen Spannung und Wölbung lässt die harten Materialien weich und formbar wirken, wie z. B. auch in der Werkserie „Blow up“ oder in der Installation „Now“.

CUBES UND CANS

Auch in seinen Serien „Cubes“ und „Cans“ spielt Stephan Marienfeld mit der Bedeutung und optischen Veränderung von Material. Dabei nutzt er Porzellan, Polyester, Bronze aber auch Beton und Aluminium.

Er schleift und poliert bis er zufrieden ist und das alles in Handarbeit.
Es ist die Liebe zum Detail, zur Materialität und Perfektion, die uns so begeistert.
Vielen Dank, dass wir kommen durften!

Futurium Berlin

Futurium Berlin

Futurium

Berlin

Galerie mit Exponaten im Bereich Wohndesign

Berlin ist immer eine Reise wert

Diesmal stand auf meinem Reiseplan Berlin: wegen eines Kongresses sollte ich in das ESTREL kommen. Eigentlich ein fürchterlicher Klotz in einer wenig attraktiven Ecke, doch das Hotel hat sich gewandelt – fast zu einem kleinen Museum zeitgenössischer Kunst. Schon am Eingang wird man von einer Holzskulptur von Tony Cragg empfangen, gleich daneben steht ein Bronzeguss von Erwin Wurm und in der Ecke hängt ein Gemälde von Jonas Burgert gefolgt von vielen Weiteren. Überraschend! Bevor es zum Futurium Berlin geht, war ich also auf dem Kongress unterwegs.

Auf dem Messestand ist alles soweit gut gelaufen, also war abends noch genug Zeit sich mit einem ehemaligen Mitarbeiter und Freund zu treffen und ab ins Nobelhart & Schmutzig. Definitiv ein gastronomisches Erlebnis. Die Mädels und Jungs hinterm Herd legen größten Wert auf natürliche Produkte, von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region, die frei von chemischer oder industrieller Verarbeitung produzieren, um den wahren und vollen Geschmack zu erreichen. Diese servieren sie dann minimalistisch mit höchster Präzision und der passenden Geschichte dazu. Kurz gesagt: SUPERGEIL.

Soviel am Rande. Eigentlich geht es ja an dieser Stelle um ganz was anderes: vor der Heimreise wollte ich morgens noch unbedingt das nagelneu und ganz frisch eröffnete Futurium Berlin besuchen, ganz geschickt gelegen, gleich neben dem Bahnhof.

Holzkonstruktion mit Badewanne zum Färben von Stoffen

WELCOME TO THE FUTURE, MR. PRESIDENT

In Berlin gibt es immer wieder Neues zu entdecken, egal wie oft man da ist. Und weil das frisch eröffnete Futurium so neu ist, wollten da auch andere hin, um genau zu sein der Bundespräsident. Da der Mann so wichtig ist, darf da gleichzeitig kein anderer rein und auch ich (!) musste draußen bleiben. Unverschämtheit. Mein Zug ging kurz nach drei und ab ein Uhr durfte das niedere Volk erst wieder rein. Glücklicherweise ist Eintritt für die ersten drei Jahre frei, sonst hätte ich mich mächtig geärgert. Denn im Futurium Berlin wird soviel Information vermittelt, dass ein ganzer Tag einem knapp erscheint und ich hatte leider nicht einmal zwei Stunden. Also nix wie los!

Stahlkonstruktion mit bunten Kunststofffolien

Würfel, Punkte und Roboter

Das Gebäude des Futurium Berlin von außen ist ein relativ einfallsloser schwarzer Würfel — ob das sinnbildlich für die Zukunft steht? Auf jeden Fall hat der Architekt eine Ecke vergessen und zu dieser geht es rein. Drinnen gibt es erst mal einen Shop mit dem üblichem Museumsplunder, eine Empfangstheke, Garderobe und viele, viele Punkte. Diese ziehen sich durchs ganze Gebäude und erlauben witzige Durchblicke. Ab die Treppe nach oben! Dort wird man von einem kleinen weißen Roboter empfangen, von dem man ein Armband mit Chip zum „Punkte sammeln“ bekommt.

Raum mit Holzstreben und Holzplatten, in dem ein T-Shirt aus nachhaltigen Materialien hängt

Haus der Zukunft

Das „Futurium – Haus der Zukunft“ steht für die Gestaltung unserer Zukunft. Es soll als Forum für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fungieren. Zu den Partnern und Initiatoren gehören keine geringeren wie das Ministerium für Bildung und Forschung, die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und das Fraunhofer-Institut. Das Gebäude wurde von den Architekten Richter und Musikowski entworfen. Ausstellungsgestaltung und mediale Bespielung kommen von Art+Com und Schiel Projekt.

Man betritt die eigentlich Ausstellung, indem man auf die rasante Entwicklung unseres Planeten zurückblickt, und sich daraus resultierend Fragen über dessen und unsere Zukunft stellt. Das Ganze wird mit einer geschwungenen Medienwand inszeniert und teilweise auch ganz klassisch dargestellt.

weiße Pilze für die Verwendung in der Architektur

Interaktiver Spaß

Dahinter befinden sich sechs riesige Leuchtwände. Hier werden umfangreich, mit verschiedensten Medien und Beispielen, die Themen Neue Materialien, Energie, Digitale Welt, Roboter, Gene und Medizin. Man kann interaktiv mitwirken bei Fragen „Wie zukunftsträchtig ist mein Beruf?“, „Wofür werden Roboter eigentlich gebraucht?“, „Wer entscheidet welche Daten, wo erfasst werden?“ „Welche Ideen gibt es um unser Energie-Problem zu lösen?“ und vieles mehr. Mit seinem Chip kann man bewerten und sich sicher einige Stunden beschäftigen. iPads mit Augmented Reality-Anwendungen dürfen selbstverständlich genauso wenig fehlen wie der schreibende Roboter. Spannend aufbereitet für jedes Alter.

Bunte Pappkartonflächen mit Begriffen zum Thema Produktlebenszyklus

spannende Themen

Ganz anders dann in der hellen „Spielecke“. Sie lädt zum Verweilen ein, man kann sogar schaukeln, sich auf ein Sofa fläzen und einfach nur die Aussicht genießen oder mit den Themen Handel und Ressourcen, Zeit, Konsum und „Minifabriken“ auseinandersetzen. In großen kubischen Räumen werden im Futurium Berlin die Themen installationsartig und an vielen anschaulichen Beispielen aufbereitet: „Welche Rohstoffe stecken in einem Auto?“, „Wer verdient was an einem T-Shirt?“ oder „Welche Wege legt eine Jeans zurück?“. Sehr schön gelöst und auch hier wieder eine riesige Informationsflut. Künstlerisch beeindruckend nimmt Sonja Alhäuser mit „Fragment II“ Stellung zum Thema Hunger und Wohlstand anhand einer großartigen Margarine-Skulptur!

Skateboard mit einem dicken Rad in der Mitte

Fliegende Kraftwerke

Der nächste Hingucker ist die raumeinnehmende, gigantische Holz-Skulptur „Neo-Natur“. Sie wurde nach einem Prinzip des Mathematikers Ludwig Danzer entwickelt, ist 8 Meter hoch, besteht aus 16 Modulen und 4500 Verbindern und wurde mit Hilfe von Augmented Reality montiert. Sie beschreibt Quasikristalle in denen Atome in aperiodischer Struktur angeordnet sind. Hui. Hört sich verrückt an, ist es auch!

Dieser Bereich der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Energie, wie man mit „fliegenden Kraftwerke“ oder „Algen unser Energieproblem lösen kann?“. An einem tollen Modell wird die Idee der Kreislauffabriken gezeigt: „Kann unser Abfall etwas Neues werden?“ Es werden neue Materialien für Flugzeuge oder zum Bauen und Wohnen in grünen Gebäuden vorgestellt und es geht um die Naturgewalt Mensch. Auch diese sind wieder super aufbereitet und der Schreiner hat ganze Arbeit geleistet. Wow. But tooooo much Information im positiven Sinne, tragisch ist nur wenn die Zeit rennt und der Zug schon am Gleis wartet.

Präsentationstafeln mit verschiedenen Algen in Glasbehältnissen

Auf dem Dach

Schnell noch die Treppe hoch: Vor mir steht die eher alberne Zukunftsmaschine: Nun hat man ja die Möglichkeit an diversen Stellen in der Ausstellung Dinge zu bewerten und mit seinem Chip am Handgelenk abzustimmen. Dann kann man diese „Punkte“ an der sogenannten Zukunftsmaschine im Zwischengeschoß über der Ausstellung einlösen und bekommt dafür sein ganz eigenes Zukunftsbild erstellt. A-ha … nun-ja. Ähhhh, weiter!

Die pinke Treppe hoch aufs Dach des Futurium Berin zum Skywalk. Eine witzige Idee, um ein wenig zeitgemäßes Bauen auch real zu sehen. Hier kann man eine Runde über das Niedrig-Energie-Gebäude drehen um zwischen Photovoltaik- und Solarkollektoren Ausblicke auf Spree und rüber zur (Noch-)Kanzlerin zu genießen. Ein paar mehr Informationen zum Gebäude und der Technik wären interessant. Vielleicht habe ich sie zwischen all den Informationen aber auch einfach nicht entdeckt.

Plattenmaterial aus Holzstaub-Abfällen

Futurium Lab

Einen letzten kurzen Blick werfe ich ins Untergeschoß, das Futurium Lab: Dort finden Workshops rund um den 3D-Druck statt, und man kann neue Werkstoffe kennen lernen. Wem der Kopf noch nicht qualmt darf auf Bildschirme starren, kann in Büchern schmökern oder ganz einfach zum krönenden Abschluss etwas Kunst genießen. Und da sind wirklich ein paar mega Installationen aus dem Weltraum gelandet, wie die „Noosphere“ von Philip Beesley oder „The Outside Inside“ von Johanna Schmeer. Es lebt!

Das Futurium Berlin lohnt sich also definitiv, nix wie hin und viel Zeit mitbringen. Sonst hat Berlin zum Glück ja wenig zu bieten. Meinen Zug habe ich übrigens gekriegt. Pünktlich war er auch an Start und Ziel. Es klappt doch mit der Bahn.

The Source – Creative Space

The Source – Creative Space

The Source
in Denver

Creative Space

Fotografie einer Großstadt mit Skyline im Hintergrund

Bikes vs. eboards

Eingeladen in die Rockies, konnten wir den weiten Weg nicht auf uns nehmen, ohne Denver etwas näher anzusehen. In unserem Appartement gab es netterweise zwei coole Fahrräder, sodass wir uns mit selbigen bei 104° Fahrenheit auf den Weg gemacht haben um die City by Bike zu erkunden. Ziemlich uncool, wie wir schnell merkten. Wer hier hipp und lässig ist, steht auf einem eBoard und rast geräuschlos über die mehr oder weniger guten Gehwege. Die bunten eBoards kann man an jeder Ecke per App mieten.

bemalte Wand mit zwei schwarzen Oldtimer und dem Schriftzug "Bright Future"

CENTER FOR VISUAL ART

Erste Etappe war der nah gelegene Art District on Santa Fe, jetlagbedingt waren wir zu früh und die meisten Künstler und Galeristen haben wohl noch geschlafen. Freudig empfangen mit einer persönlichen Führung wurden wir dann jedoch im Center for Visual Art, das zur Metropolitan State University of Denver gehört. Es stellen dort gerade die Dozenten und Professoren ihre eigenen Werke aus. Spannend, aber nicht spektakulär. Allerdings kann man mit 1 – 3 Werken auch nicht wirklich das Schaffen des Einzelnen erfassen.

bunte Kunstinstallation angeregt vom Klopfen der Spechte

Am meisten hat uns das gemeinsame Werk der beiden Künstler Abell + Stewart „Encouraging the Appearence of Others“ gefallen. Eine Installation. Die beiden waren in den Wäldern von Montana unterwegs, vom über weite Strecken zu hörenden Klopfen der Spechte angeregt, übertragen auf das Anklopfen an einer (Haus)türe mit der Bitte einzutreten, um letzten Endes zu kommunizieren. Verrückt? In jedem Fall ist die Installation ganz schön durchgeknallt und überall klopfen kleine mit Bewegungsmelder und Motor ausgestattete Klöppel, die sie im Wald geschnitzt haben.

Bretterwand in Lagerhalle mit Schriftzug
Hippe Lagerhalle umfunktioniert zu einer Markthalle mit Sitzgelegenheiten

RIVER NORTH ART DISTRICT

Bei der Affenhitze ging es dann weiter auf unseren nun nicht mehr so coolen Bikes Richtung Downtown. Denver breitet sich zwar auf der 1600 Meter hoch gelegenen Ebene sehr weit aus, Downtown ist aber eher überschaubar mit ein paar kleinwüchsigen Hochhäusern. Gleich neben der berühmten und schick renovierten Union Station liegt das MCA, wo wir die Retrospektive „in Hyperspace“ von Clark Richert angesehen haben, dazu mehr in einem eigenen Bericht.

In der prallen Mittagssonne haben wir uns nach einem amerikanischen Erfrischungsgetränk auf den Weg Richtung Rino gemacht. Das kleine Nashorn begegnet einem dort überall und steht für „River North Art District“. Der hipste District in Denver, manche behaupten der ganzen USA.

Was geht hier ab? Im Grunde wurden ein paar alte Lagerhallen umfunktioniert zu Markthallen in denen es diverse „Food“-Angebote, Sitzmöglichkeiten, Shops, Micro-Brauerein, Co-Working-Spaces und natürlich Künstler, Streetart und Galerien gibt. Dort trifft man sich, trink IPA (gesprochen Ai-Pi-Eiii), isst total orgänic (am besten aus einem Foodtruck, der mit einem stinkenden und knatternden Generator angetrieben wird), zeigt seine neuesten Tattoos und kauft völlig überteuerte Sneakers ohne Fußbett oder andere Lifestyle-Accessoires. Toll. Wie im Zirkus.

Rino ist ein Industriegebiet mit Maskottchen, das gepusht wird. Es ist aber auch ziemlich weitläufig und ohne ein Bewegungshilfsmittel kaum zu erkunden. Die Hotspots sind ganz schön weit zwischen Lagerhallen, ehemaligen Fabriken, modernen Wohnanlagen und brach liegenden Grundstücken verteilt, dazu noch durch eine Bahnlinie getrennt. So sind wir bei unserer Erkundungstour in einer ziemlich abgelegenen Ecke zufällig auf „The Source“ gestoßen.

Photographie von liegend gelagerten Weinfässern
Junger hipper Bäcker in seine Arbeit viertieft

WELCOME TO THE SOURCE

Hier wurde aus einer alten Lagerhallen, verbunden mit einem Neubau, ein ziemlich spannender Raum geschaffen, der alles oben beschriebene miteinander verknüpft. Man trifft sich also hier. Kern des Ganzen ist ein Hotel, das sich im Neubau befindet. In letzterem befindet sich eine große Halle mit diversen offenen Shops, Restaurants und Brauerei. Man kann Schallplatten, Taschen, Pflanzen, Klamotten und diversen anderen Plunder kaufen, es riecht überall nach dem „Wood Fired Grill“, es gibt Lounge-Ecken und Süßkram zu kaufen. Fährt man mit dem Fahrstuhl ins 8. Level wird man empfangen von 50 Weinfässern, welche zu Bierfässern umfunktioniert wurden. Aha! Auf dem Dach findet man eine Bar mit Terrasse, Blick über Denver eingerahmt von den Rockies.

Wieder unten geht man über eine Stahlbrücke in die zweite Halle, die alte Fabrikhalle. Auch diese ist moderner cross-over Stilmix. Eine große Bar in der Mitte mit etwas gewöhnungsbedürftigen Cocktails, Restaurants, Wein-Shop, Klamotten, eine Bäckerei. Letztere heißt schlicht „Bakery“. Drinnen sind junge Kerle, die backen und direkt verkaufen. Ihr Ansatz ist „ehrliches“ Handwerk mit guten Zutaten und leckerem Backerzeugnis. Den Unterschied schmeckt und bezahlt man. Hier in „The Source“ liegt nicht nur der Duft der Bäckerei, des Grills und der Brauerei in der Luft, sondern auch inspirierende, knisternde Vibes, neues zu schaffen, Dinge anders anzufassen, etwas zu wagen und zu entwickeln, neues zu kreieren und zu schaffen. Das wird unterstrichen durch die progressive Gestaltung der Räume. Hier treffen verschiedene Stilrichtungen, alt und neu, Streetart auf Backstein, Metall und Beton, viel Glas und Holz aufeinander. Ein Mix der am Ende aber ein großes Ganzes gibt. Abgefahren.

Bildnis zweier Frauen an einer Backsteinfassade

Sharing

Uns hat es so begeistert, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal herkamen — natürlich mit Lyft, noch so ein american Ding — um hier mit Freunden im „Acorn“ zu Essen. Family Style. Man bestellt verschiedene Gerichte, die kommen auf den Tisch und jeder greift überall zu. Sharing. Genau wie der Raum selbst. Und das Essen war genauso überraschend wie The Source. Neu zusammengesetzt und einfach mal anders interpretiert. Super! Ob das ganze auf lange Zeit klappt wird sich zeigen, aber davor haben unsere „amerikanischen Freunde“ ja keine Angst. Klappt es nicht, kommt was Neues!

Für alle Interessierten mehr Infos unter thesourcehotel.com