Bernd Schwarzer

Bernd Schwarzer

Bernd Schwarzer

Europakunst

chaotisches Atelier mit Gemälden, offenen Farben, Staffeleien und Fahnen

ZU BESUCH BEI BERND SCHWARZER

Überraschend kam ich zu dem Vergnügen einen Atelierbesuch bei Bernd Schwarzer in Düsseldorf zu machen. Der Künstler persönlich hat meinen Bruder und mich über vier Stunden durch zwei seiner vier Ateliers und seinen neuen Ausstellungsraum geführt.

Öl-Porträt des Papstes in blau und gelb

„EUROPAKUNST“

Sein zentrales Thema ist Europa. Seit einigen Jahren dreht sich bei ihm alles darum: Seine Farbpalette baut sich um die Farben gelb und blau, aber auch schwarz, rot und gelb (gold) auf. Begonnen hat alles nach dem Mauerfall. Was seine Kunst auszeichnet, ist der unglaublich pastose Farbauftrag. Zu diesem hat ihn – wie er ausführt – van Gogh inspiriert, er hat die Dicke aber weit übersteigert. Ein weiterer für ihn wegweisender Künstler und Vorbild ist Joseph Beuys, bei dem er auch einige Zeit als Gaststudent gelernt hat.

IDEENREICH

Bernd Schwarzer selbst ist überaus sympathisch und strotzt vor Energie und Ideenreichtum. Zu den vielen Werken, die in Arbeit sind und seine Ateliers füllen plant er an seiner größten Vision – sein Europa-Museum. Dazu soll auch eine Akademie gehören und das Schwarzer Café. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch.

GEORDNETES CHAOS

Der pure Wahnsinn springt einem entgegen, wenn man das erste Atelier betritt. Ein scheinbares Chaos auf drei Stockwerken. Beeindruckt steht man da und weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Deckenhoch stapeln sich Fundstücke, Zeitungen, Bücher, Kunstwerke, Farbe, Pinsel, Kisten, dazwischen Work-in-Progress. Aber hinter dem Chaos steckt System. Alle Kisten sind beschriftet und mit einem Handgriff findet der Künstler, was er sucht. In unserem Fall alte Zeichnungen — und er hat richtig gute Zeichnungen. Man sieht, er hat sein Handwerk gelernt. Er redet über aktuelle und kommende Ausstellungen, seine Pläne und Visionen mit dem Europa-Museum und dass er gar nicht hinterher kommt. Irgendwie kenne ich das …

DIE ERSTEN WERKE

Zwei Frühwerke. Zwei Zeichnungen. Eine mit Bleistift, eine mit Tusche. Ein Stein auf einem riesigen Blatt Papier, das andere ein elektrischer Stuhl auf einem ziemlich kleinen Blatt Papier. Beide super gezeichnet. Fraglos.

DER NEUE SHOWROOM

Raus aus dem Atelier, die Straße runter und um die Ecke sieht man schon ein knallgelbes Mehrfamilienhaus mit fetter Aufschrift EUROPAKUNSTHALLE. Bernd Schwarzers Vision ist auf sehr gutem Weg Wirklichkeit zu werden. Wir betreten die heiligen Hallen und stehen schon mitten drin. Die kommende Ausstellung wird gerade vorbereitet, es hängen noch wenige Bilder, die meisten stehen an der Wand im Raum verteilt. Er stellt gerade im Landtag NRW aus und vor kurzem am Bundestag mit einer Ausstellung.

CROSS-OVER IM ATELIER

Innerhalb von 3 Minuten geht es mit dem Taxi zum nächsten Atelier. Es ist sein neustes und wurde davor von Günter Uecker bespielt. Überhaupt die ZERO-Gruppe war gleich hier um die Ecke und Kraftwerk auch, die jetzt auch ein Museum bekommen sollen, sagt er. Hier im Umkreis von einem Kilometer wären alle großen Künstler zugange. Die Tür geht auf, das Licht geht an, das ähnliche Chaos, wie im ersten Atelier, auf gefühlt 800 Quadratmetern. Verrückt. Doch hier sind mehr aktuelle Arbeiten zu sehen. Es hängen mindestens 20, 30 Bilder an Wänden und Staffeleien, an denen gemalt wird, der Farbauftrag ist mehr oder weniger weit fortgeschritten. Der Prozess ist ein langwieriger, er malt teils Jahre an einem Werk. Aktuell scheint es ein Cross-Over aus Pop-Art zu sein, er interpretiert Warhol mit seinem pastosen Van-Gogh-Strich, übermalt Magazine und wird politisch, indem er Politiker und Künstler in seinem Europa vereint.

Vielen Dank, Herr Schwarzer für diese ganz persönliche Führung!